Full text: Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

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Dr. M. J Bonn. 
wurden, gingen 1900 18 Millionen nach dem Mutter lande; von 
57 Millionen 1909 fast 51 Millionen. Überdies erklären gerade die 
kanadischen Weizenproduzenten, sie hätten kein Interesse an engli 
schen Vorzugszöllen. Sie sind Freihändler und verlangen auf der 
einen Seite die Öffnung des amerikanischen Marktes, auf der anderen 
Seite eine Beseitigung der kanadischen Industriezölle, die ihre Pro 
duktion verteuern. 
Die Tochtervölker, vor allem Kanada, aber auch Australien, stellen 
bereits ohne künstliche Maßnahmen zur Beschleunigung ihrer Er 
schließung, Anforderungen an das Mutterland, denen dasselbe kaum 
zu genügen vermag. In fünf Jahren — bis zum 31. Januar 1913 — 
hat Kanada über 1 300 000 Einwanderer aufgenommen; wenngleich 
nicht die Hälfte derselben aus dem Mutterlande stammt, so hat das 
selbe doch stets wachsende Mengen beigesteuert. Die britisch-irische 
Einwanderung in Kanada — abzüglich Rückwanderung — betrug 
im Jahre 1902 14 730 Köpfe, sie war 1911/12 auf 138 000 gestiegen. 
Die britische Einwanderung in Australien und Neuseeland hat im 
gleichen Zeitraum von 4366 auf 65 769 zugenommen. Der Qesamt- 
verlust des Mutterlandes durch Auswanderung hat vor dem süd 
afrikanischen Kriege 49 000 Köpfe betragen, davon gingen nicht 
20000 in britische Gebiete; 1905 war er auf 147 000 angewachsen; 
54o/o hiervon wanderten in die Kolonien; 1912 waren es 268 000 Per 
sonen, 82°/o derselben suchten britische Gebiete auf. Die Aus 
wanderung aus dem Mutterlande überhaupt und in die Kolonien 
im besonderen ist nach Umfang und Zusammensetzung bereits so 
groß, daß sie nicht weiter wachsen darf, ohne die gesunde heimische 
Entwicklung zu gefährden. In den ersten sechs Monaten des Jahres 
1912 hat Schottland einen Wanderungsverlust von 14 000 Köpfen 
über seine natürliche Bevölkerungszunahme gehabt. Zu einer künst 
lichen Beschleunigung einer solchen Entwicklung liegt seitens des 
Mutterlandes gar kein Anlaß vor. 
So glänzend die Lage der britischen Industrie ist, so läßt sich doch 
nicht leugnen, daß eine weitgehende Unruhe in der Arbeiterschaft 
herrscht. Dieselbe ist nicht durch Arbeitslosigkeit hervorgerufen 
worden; sie beruht in letzter Linie, soweit es sich um rein ökono 
mische Faktoren handelt, auf der Preissteigerung. Gegenüber einem 
Preisniveau von 100 im Durchschnitt der Jahre 1901/1905 hat das 
erste Viertel des laufenden Jahres ein solches von 124 aufzuweisen.
	        
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