Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Organisation  des  britischen  Weltreichs.

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nähme  mit  den  Kolonialregierungen  erfolgen,  damit  sie  eher  imstande ­
  wären,  solchen  Verträgen  beizutreten.  Diese  Bes  chlüsse
machten  die  koloniale  Konferenz  zu  einer  regelmäßig  wiederkehrenden ­
  Einrichtung.  Sie  wurde  aus  einer  Jubiläumsfunktion  zu  einer
Art  Bundesrat,  der  allerdings  nur  alle  vier  Jahre  zusammentreten
sollte.
Kurz  ehe  die  Vorarbeiten  zu  einer  neuen  Konferenz  in  Angriff ­
  genommen  wurden,  tauchte  der  von  einem  der  bedeutendsten
Staatsrechtler  Englands  (Sir  Frederik  Pollock)  gemachte  Vorschlag
auf,  einen  «Reichsrat  mit  ausschließlich  beratschlagender  Stimme»
zu  bilden,  dem  nicht  nur  die  Regierungen,  sondern  auch  andere  Vertreter ­
  angehören  sollten;  dieser  Reichsrat  sollte  einen  Ausschuß  des
Staatsrats  bilden.  Diese  Anregungen  verdichteten  sich  bald  zu  Vorschlägen, ­
  die  der  Staatssekretär  für  die  Kolonien  vor  Einberufung  der
nächsten  Konferenz  den  Kolonien  machte.  Nach  denselben  sollten  die
«Kolonialkonferenzen»  aufhören.  An  ihre  Stelle  sollte  ein  «Imperial
Council»,  ein  «Reichsrat»,  treten,  über  dessen  künftige  Zusammensetzung ­
  die  eben  einzuberufende  Konferenz  beschließen  würde.  Neben
diesem  nur  periodisch  tagenden  Reichsrat  sollte  eine  ständige  Kommission ­
  stehen.  Diese  Kommission  sollte  in  bestimmtem  Verhältnis
aus  Vertretern  der  Kolonien  und  des  Mutterlandes  zuammengesetzt
sein,  ihren  Sitz  in  London  haben  und  die  laufenden  Arbeiten  durch
ein  Sekretariat  erledigen.  Diese  Anregung  scheiterte  an  dem  Widerstand ­
  Kanadas,  dessen  Regierung  befürchtete,  der  «Reichsrat»
möchte  eine  dauernde  Einrichtung  werden,  die  Mehrheitsbeschlüsse
fassen  könne  und  schließlich  die  autonome  Verfassung  und  Verwaltung ­
  der  Kolonien  mit  Selbstregierung  gefährden  würde;  auch  die
Kommission  könnte  die  Selbstregierung  gefährden.
Indessen  hatte  der  Wunsch  nach  Schaffung  von  Reichsorganen  in
den  australischen  Kolonien  Wurzel  gefaßt.  Als  die  Konferenz  ein
Jahr  später  als  ursprünglich  geplant  war  (1907),  zusammentrat,
schlugen  Australien  und  Neuseeland  die  Bildung  eines  Reichsrates
vor,  der  aus  den  Vertretern  der  Regierungen  bestehen  sollte;  ihm
sollte  ein  dem  Reichsrat  dienendes  Sekretariat  beigegeben  werden.
Diese  Vorschläge  wurden  nur  in  abgeänderter  Form  angenommen.
Das  Wort  «Reichsrat»  wurde  fallen  gelassen;  die  Konferenz  wurde
aber  von  jetzt  ab  nicht  mehr  als  «koloniale  Konferenz»,  sondern  als
«Reichskonferenz»,  Imperial  Conference,  bezeichnet.  Das  gewünschte
            
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