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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
auch die anderer Industrien und Gewerbe, bei Verteilung der
Reklamen. Da ich weder Besitzer noch zurzeit Leiter irgend-
eines Blattes bin, darf ich wohl das Recht der freien Ansichts-
äußerung in Anspruch nehmen. Mir kamen erst kürzlich einige
große industrielle Fachblätter, Organe bedeutender Industrie-
verbände, in die Hand, und ich konnte mich davon überzeugen,
daß die Angehörigen dieser Industrien in den Anzeigen fast
lückenlos vertreten waren. Warum? Erhofften sie belangreiche
Aufträge durch Anzeigen in einem Blatte, das in der Hauptsache
doch wohl nur von ihren eigenen Berufsangehörigen gelesen
wird? Wohl sicher nicht. Aber diese Kaufleute haben mit
ihrem scharfen geschäftlichen Verstand und ihrem praktischen
Weitblick zweierlei erkannt. Erstens: daß sie sich selbst unter-
stützen, wenn sie ihr offizielles Berufs- und Vereinsorgan durch
Anzeigenaufträge unterstützen. Zweitens: daß auch der Re-
klame im eigenen Fachorgan beziehungsweise in den Organen
ihres Berufszweiges eine suggestive Werbekraft von hoher
Wirkung innewohnt.
Zu dieser Erkenntnis muß der Hotelbesitzer in den meisten
europäischen Reiseländern erst noch kommen. Sein ameri-
kanischer Kollege, der ihn bei der technischen Ausgestaltung
des Hotelbetriebes schon erreicht, auf einigen Gebieten über-
flügelt hat, ist ihm hierbei vorangeschritten. Man nehme eines
der großzügig ausgestatteten, gut redigierten amerikanischen
Hotelfachblätter, deren bedeutendste in New York, Chicago und
San Francisco erscheinen, zur Hand und durchblättere den ver-
blüffend umfangreichen Anzeigenteil. In außerordentlich wir-
kungsvollen Inseraten wird der Leser fast alle bedeutenderen
Hotelbetriebe, insbesondere die großen amerikanischen Hotel-
konzerne, die für das amerikanische Leben typisch geworden
sind, in jenen Fachblättern angekündigt finden.
Man vergleiche damit die deutschen, österreichischen, schwei-
zerischen, italienischen, englischen und anderen europäischen
Hotelfachzeitschriften und durchblättere sie! Wo sind die
großen Hotelbetriebe? Wo die in den letzten fünfzehn Jahren
entstandenen Konzerne? Auf welcher Seite finden wir ihre An-
zeigen, mit deren Hilfe sie suggestiv auf den Leser, in diesem
Falle ihre eigenen Berufskollegen, einzuwirken suchen, wie es:
die amerikanischen Hotelbesitzer und Konzerne schon längst
tun? Geht es den Hoteliers so gut, daß sie erstens auf die Emp-
fehlung ihrer Berufskollegen, denen sie sich durch eine solche