Full text : Die Einrichtungen der preußischen Landkreise auf dem Gebiete der Kriegswirtschaft

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Ganz  unmöglich  ist  es,  sich  für  die  Bestellung  int  Frühjahr
mit  den  gleichen  Mengen  an  K  u  n  st  dünger  wie  sonst  einzudecken. ­
  Es  wird  Kunstdünger  an  die  Bezieher  nur  anteilsmäßig
nach  denjenigen  Mengen  abgegeben,  die  im.  Jahre  1914  für  die
Wirtschaft  gekauft  wurden.  Man  bestelle  schleunigst  Kunstdünger
bei  den  bisherigen  Lieferern.  Stickstoffdünger  ist  nicht
genug  da.  Ammoniak  und  Kalkstickstoff  fehlen.  Wo  Kalkstickstoff
vorhanden  sein  sollte,  ist  zu  empfehlen,  ihn  zur  Hederichvertilgung
im  Hafer  niit  zu  verwenden  (rund  einen  halben  Zentner  auf  den
Morgen  nach  Aufgang  des  Hederich  als  Kopfdüngung).  Von  feiten
des  Kreises  kann  Stickstoffdünger  nicht  besorgt  werden;  ebenso  ist
auch  nicht  damit  zu  rechnen,  daß  der  Kreis  wie  im  Vorjahre  Mischdünger ­
  für  Kartoffeln  zur  Verteilung  bringen  kann.  Mit
Thomasmehl  wird  man  sich  zur  Not  eindecken  können.  Zu
warnen  ist  vor  einem  minderwertigen  Thomasmehl  mit  nur  etwa
2  v.  H.  Phosphorsäure,  das  jetzt  vielfach  in  den  Handel  kommt.
Reine  S  u  p  e  r  p  h  o  s  p  h  a  t  e  sind  nicht  zu  haben;  Ammoniaksuperphosphat ­
  ist  ebenfalls  nur  in  unwesentlichen  Mengen  vorhanden. ­
  Von  Knochenmehlfabriken  ist  Knochenmehl  mit  etwa
1  v.  H.  Stickstoff  und  30  bis  40  v.  H.  Phosphorsäure  zu  beziehen
und  kann  zur  Düngung  sehr  empfohlen  werden.  Mit  dem  notwendigen ­
  Kainit  decke  man  sich  umgehend  ein.  Gereinigte  .Kalisalze ­
  mit  20  bis  40  v.  H.  Gehalt  können  gegenwärtig  nicht  geliefert ­
  werden.  Dagegen  ist  noch  Chlorkalk  mit  etwa  62  v.  H..
Kali  zur  Verfügung.  Dieser  Kalidünger  ist  besorrders  zu
empfehlen.  Anwendung  2  bis  4  Wochen  vor  der  Bestellung.  Ein
Zentner  Chlorkali  ersetzt  vier  Zentner  Kainit.  Das  Kornhaus
Herford  ist  mit  den  verschiedenen  Kalidüngern  gut  versehen.  Auch
an  die  Anwendung  von  Kalk  sei  hier  noch  besonders  erinnert:
10  Zentner  Ätzkalk  oder  20  bis  30  Zentner  Kalkinergel  auf  den
Morgen.
Bei  deni  großen  Mangel  an  Kunstdünger  ist  auf  die  sorgfältigste ­
  Aufbewahrung  und  Pflege  des  Stalldüngers  ganz
besonders  zu  achten.
An  menschlichen  Arbeitskräften  wird  es  im  Frühjahr ­
  schr  mangeln.  Für  die  B  e  u  r  l  a  u  b  u  n  g  von  Soldaten  für
die  Bestellung  sind  die  besonderen  Bestimmungen  noch  nicht  getroffen; ­
  wahrscheinlich  kommen  aber  nur  Beurlaubungen  aus
Garnisonen,  Genesungskompanien,  Lazaretten  und  aus  der
Etappe,  nicht  aus  der  Front  in  Betracht.  Ob  auf  erhöhte  Zuweisung ­
  von  Kriegsgefangenen  für  die  landwirtschaftlichen
Arbeiten  zu  rechnen  sein  wird,  ist  noch  ungewiß.  Deshalb  überlege
            
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