Full text: Das Gemüse in der Kriegswirtschaft

Whrend auf born Lande, zum Teil aus alter Gewohnheit, zuni 
Teil ans Mangel an Arbeitskräften, Verpackungs- und Transport 
mitteln und geeigneten Absatzmöglichkeiten, immer noch große 
Mengen an G'emüse gar nicht oder jedenfalls nicht in der durch 
die gespannte Ernährungslage gebotenen zweckmäßigen Weise ver 
wertet wurden. Die Behebung dieser Schwierigkeiten, das Auf 
saugen aller, auch der kleinsten Mengen von Gemüse auf dem 
Lande hat die Reichsstclle Mit gutem Erfolg durch ihre S a m m e l- 
st e l l e n versucht. In fast allen Teilen des Reiches sind bis Mitte 
März 1918 etwa 2700 ' solcher Sammelstellen eingerichtet worden, 
die unter Leitung vertrauenswürdiger und sachkundiger Personen 
und mit tatkräftiger Unterstützung der Neichsstelle, die nament 
lich das erforderliche Verpackungsmaterial liefert, große Mengen 
Gemüse gesammelt und den großen Bedarfsmittelpunkten zu 
geführt haben. Bis Mitte März 1918 waren von ihnen rund 
650 000 Zentner Gemüse abgeliefert worden. 
: Aus der anderen Seite mußten in den Verbrauchsmittel- 
punkten Einrichtungen geschaffen werden, die einen geordneten 
Absatz der Waren zu angemessenen Preisen ermöglichten. Wie 
. oben ausgeführt, war ber Gemüsehandel vor dem Kriege wenig 
organisiert und nicht frei von unzuverlässigen Bestandteilen. Diese 
' Übelstände traten im ^Kriege noch stärker hervor, es war daher 
' erforderlich, den Warenumsatz unter schärfere Aufsicht zu bringen, 
als dies bisher geschehen war. DieiE inrichtungvonGroß- 
markten, auf denen unter Aufsicht der Stadtverwaltung durch 
einen von dieser angestellten V e r k a u f s v e r m i t t I e r die 
Ware verkauft wurde, erschien der Reichsstelle nach den damit schon 
im Frieden in einzelnen Städten gemachten Erfahrungen ein 
, geeignetes Mittel. Sie fand .bei zahlreichen Stadtverwaltungen 
. großes Entgegenkommen und hat im Laufe der Zeit gegen 50 
' solcher Großmärkte eingerichtet. Nähere Angaben über die Groß- 
, Märkte habe ich schon in meiner Darstellung der Obstbewirt 
schaftung. gemacht (Heft 28, Seite 14 ff.). Durch Herausgabe von 
täglichen zuverlässigen Marktberichten in dem seit dem 
, 1. August 1916 erscheinenden Amtsblatt „Reichs-Gemüse- und 
Obst-Markt" sollte ein Überblick über' die jeweilige Marktlage im 
' ganzen Reichsgebiete,'ein Gradmesser für Angebot ünd Nachfrage 
und dementsprechend ein Maßstab auch für die Preisbildung ge 
geben werden. 
Die,.Entwicklung der Verhältnisse in der. Kriegswirtschaft hat 
gezeigt, daß bei völlig freiem Verkehr die unbegrenzte Steigerung 
der Nachfrage gegenüber dem begrenzten Angebot einer selbst
	        
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