Im Bankpalast.
11
kauft hoben. Unser Blick irrt suchend in der Runde umher.
Überall hinter den Glaswänden sehen wir die Kommis in
emsiger Tätigkeit sitzen. In der Nähe der Schalter oder
vorn in der vordersten Reihe die Kassierer. Zwischen ihnen
eilen uniformierte Boten und Laufjungen in geschwinder
Hast hin und her. Zn der gerundeten Glaswand befinden
sich eine Menge Schalterfenster, und über jedem
steht eine andere Inschrift. Jede Inschrist deutet ein
besonderes Kassenressort an. An der Einzahlungs- und
Auszahlungskasse werden die großen Zahlungen geleistet;
hier handelt es sich entweder um die Abwicklung von
Millionengeschästen oder es werden hier die Gelder erhoben
oder zurückgezahlt, die die Bank an der Börse
ausgeliehen hat. Dicht daneben befindet sich die Couponkasse.
Sie dient der Einlösung der Zinsscheine der fest
verzinslichen Wertpapiere oder der Dividendenscheine der
Aktien, bei deren Geburt meist die Bank Gevatter stand.
Aber nicht nur die Dividenden derjenigen Aktiengesellschaften
werden hier bezahlt, die die Bank selbst ins
Leben rief, sondern auch derer, mit der die Bank in
engerer Geschäftsverbindung steht. Für alle bei ihr eingelösten
Scheine bekommt die Bank von den Gesellschaften
eine kleine Provision. Im Vorüberschreiten werfen wir
noch einen neugierigen Blick auf die Wechselkasse, wo
gerade eben ein Wechsel, den ein Kunde bei der Bank
Zahlbar gemacht, von dem Boten einer anderen Bank
sum Einlösen präsentiert wurde. Endlich stehen wir vor
dem richtigen Schalter, wo schon mehrere, die vor uns
kamen, warten. Der Kassierer nimmt den Scheck entgegen
und läßt durch einen Beamten das sogenannte
Avisbuch einsehen, um zu konstatteren, ob der Geschäftsfreund
der Bank, der uns den Scheck sandte, die Entnahme
vorher angekündigt hat. Der Scheck ist in Ordnung, aber
er kann noch nicht gezahlt werden, da wir als Legiti-