Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

— 71 — 
Danach hätten wir vier Märkte, deren Grenzen durch kon- 
krete Daten bestimmt, also für die Theorie unzugänglich sind. 
Wenn von eıner Anwendung der Theorie der internationalen Werte 
auf den Verkehr dieser Märkte gesprochen wird, so ist damit die 
Preistheorie schlechthin gemeint. Wir haben also, um es definitiv 
auszusprechen, keine Veranlassung als Theoretiker eine gesonderte 
Theorie am Leben zu erhalten, die für die theoretische Erkenntnis 
nur Wiederholungen ausspricht. 
Ob wir vom Standpunkt „angewandter‘““ Theorie dasselbe 
sagen können? Die Frage läßt sich nicht so ohne weiteres 
beantworten. Wir müssen uns noch einmal besinnen, welchen 
Zwecken eine solche „Anwendung“ gedient hat und eventuell 
dienen könnte. 
Da es kein theoretischer sein kann, wie wir endgültig kon- 
statiert haben, käme also nur ein praktischer in Betracht. Unsere 
Untersuchung befindet sich also in einem Stadium, in dem unsere 
zweite, einleitend gestellte Frage infolge der mit der Beantwortung 
der ersten Frage sich von selbst ergebenden negativen Antwort 
betreffs eines selbständigen theoretischen Erkenntniszweckes nur 
noch auf ein „praktisches‘“ Ziel bezogen werden kann — etwa derart, 
daß, vom Standpunkt bewußten Handelns gesehen, eine auf be- 
stimınten Daten aufruhende theoretische Erkenntnis regulative 
Grundsätze bereitzustellen in der Lage wäre, die einer etwaigen 
Wirtschaftspolitik zur Richtschnur dienen könnten. 
Wir dürfen nicht verkennen, daß ein positiver Entscheid 
sehr nahe liegt, daß das Bestreben, Theorie auch anzuwenden, 
gleichsam natürlich ist. Es fragt sich jedoch, worauf diese An- 
wendung erfolgen soll, da wir einer graduellen Abstufung von Kon- 
kurrenzerscheinungen der Produktionsfaktoren gegenüberstehen, 
die eine Auswahl bedingt. Theoretisch ist diese Wahl belanglos, 
und außerdem eindeutig, wenn wir konsequent die einmal an- 
genommenen und damit unveränderlichen Tatsachenvoraussetzungen 
beibehalten. Im Sinne der „angewandten‘‘ Theorie ist jedoch 
nicht nur zu entscheiden, ob im Augenblick diese oder jene Kon- 
kurrenzhemmung gewichtig genug ist, um sie als solche, d. 1. als 
einheitsbildendes Datum anzuerkennen, sondern es ist außerdem 
ein Moment zu berücksichtigen, das man gemeinhin durch den 
Begriff der „Zeit“ auszudrücken pflegt und durch das die Kon- 
kurrenzabstufungen die Schärfe ihrer gegenseitigen Abgrenzung
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.