Object : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Wesen  und  Aufgabe  der  Organisation.

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Überwachung,  die  Leitung  organisiert  ?  Ist  Organisation  ein  Geschehen  oder  ein
Zustand,  eine  Tätigkeit  oder  ein  Gebilde  ?  Beides  trifft  zu:  Organisation  bedeutet
zunächst  eine  Folge  von  Handlungen  unter  bestimmten  Gesichtspunkten;  ihr
sachlicher  Niederschlag,  ihr  fester  Gefügezustand,  ihr  Gefrierprodukt,  wird  wieder
mit  Organisation  bezeichnet.
Eine  nähere  Überlegung  zeigt,  daß  die  Organisation  ein  System  der  An-  und
Zuordnung  von  Kräften  und  Gegenkräften  (Widerständen)  unter  bestimmten  Gesichtspunkten ­
  ist  (wie  es  Bogdanow  in  allgemeinster  Anwendung  angenommen
hat).  Das  erste  entscheidende  organisatorische  Merkmal  ist  die  Verbindung  dieser
Kräfte  und  Widerstände  in  der  Weise,  daß  sie  sich  in  einem  höherwertigen  Ziel
zusammenfinden,  einem  Ziel,  das  immer  größer  ist  als  die  Summe  der  zu  seiner
Erreichung  verfügbaren  Möglichkeiten;  also  das,  was  Wundt  die  „schöpferische
Synthese“  genannt  hat.  Es  ist  die  alte  biologische  Erklärung  für  den  Organismus,
die  auch  Bogdanow  anführt 1  als  „ein  Ganzes,  das  mehr  ist  als  die  Summe  seiner
Teile“,  eine  Erkenntnis,  die  der  gesamten  Ganzheitslehre  zugrunde  liegt.  Immer
galt  hier  der  Satz,  „daß  das  Ganze  mehr  als  die  Summe  der  Teile  sei,  daß  mithin
funktionell  die  Summe  der  Teile  niemals  das  Ganze  erbringen  könne“ 2 .
Wesentlich  für  die  Kennzeichnung  organisatorischer  Zusammenhänge  ist  demnach ­
  zunächst,  daß  eine  Endaufgabe  zu  lösen  versucht  wird,  die  großer  ist  als  die
einfache  arithmetische  Summe  der  Aufgaben,  die  zu  ihrer  Bewältigung  von  Vereinzelten ­
  geleistet  werden  könnte.
Die  Organisation  muß  darum  weiter  angesehen  werden  als  die  bewußte  Lenkung ­
  von  Kräften  im  Hinblick  auf  ein  übergeordnetes  Ziel,  wobei  die  Möglichkeiten
der  Lenkung  in  der  Beeinflussung  der  Kräfte  nach  Menge,  Geschwindigkeit,  Richtung, ­
  Lage,  Zeit  und  Widerstand  liegen.  Dieser  Kraftaufwand  äußerst  sich  als
Arbeit.  Im  landläufigen  Sinne  wird  Arbeit  im  Wirtschaftsbetrieb  als  die  unmittelbare ­
  oder  mittelbare  werteschaffende  Tätigkeit  am  Stoff  bezeichnet.  Aber  im  Begriff ­
  der  Arbeit  liegt  mehr:  der  Ausdruck  für  ein  inneres  Erleben  (Mühe,  Qual),
für  eine  Leistung  (psychologisch  und  physiologisch),  für  ein  Tätigsein  (schulisch)
und  endlich  für  Energie  (physikalisch,  auch  technologisch  angewandt) 3 .
Für  die  Organisation  müssen  alle  diese  Ausstrahlungen  der  Arbeit  beachtet
werden.  Man  kommt  dem  Wesen  der  Organisation  im  Wirtschaftsbetrieb  nahe,
wenn  sie  bezeichnet  wird  als  An-  und  Zuordnung  von  Arbeit  im  Sinne  einer
größeren  Summe.  Dabei  kann  dieses  Ziel  der  größeren  Summe  ein  ideales  und  ein
materiell  bedingtes  sein.  Immer  jedoch  stellt  es  sich  dar  als  eine  Einheit  und  macht
als  solche  die  an  ihr  handelnden  arbeitenden  Einzelwesen  zu  einer  „Ganzheit  gemeinsamen ­
  Zweckes“  (Spann) 4 .
Gestaltung  der  Arbeit  im  Sinne  eines  größeren  Ganzen  ist  die  Erklärung,  die
wir  der  Organisation  zugrunde  legen  wollen.  Daß  die  Arbeit  einem  höheren  Ziel,
einer  größeren  Summe  dient,  macht  ihre  entscheidende  Stellung  im  organisatorischen ­
  System  aus;  ebenso  aber  auch,  daß  sie  allein  nicht  zum  Ziele  führt,  daß  ihr
durch  Vorbereitung  und  Beeinflussung  —  Gestaltung  —  die  Wege  gebahnt  und
geebnet  werden  müssen.  Aber  nur  solche  Aufgaben,  die  über  das  Vermögen
einzelner  hinausgehen,  werden  bewußt  einer  Lösung  durch  Organisation  zugeführt. ­

Daraus  erklärt  sich,  daß  eine  weitgehende  Unterteilung  der  Exponenten  angestrebt ­
  werden  muß,  da  dadurch  das  Ergebnis  verbessert  wird.  Organisatorisch
wieder  bedeutet  das  die  Vornahme  einer  eingehenden  Unterteilung  der  einzelnen
Arbeitshandlungen;  die  unterste  Grenze  —  bei  der  Organisation  im  Wirtsehafts-1
  Bogdanow:  Bd.  L,  S.  61.  2  Giese:  Philosophie  der  Arbeit,  S.  101.
3  Giese:  S.  23/24.
4  Spann,  Othmar;  Artikel  Organisation.  Handw.  d.  Staatsw.,  4.  Auf].
            
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