Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

106

Geldwertli  auffassen  und  behandeln  müsse.  Er  dachte  sich
nicht  etwa  den  Nahrungsverbrauch  während  der  Arbeit  und
dann  die  gewonnene  Nahrungsmenge  mit  ihrem  Ueberschuss
als  die  beispielsweise  zu  vergleichenden  Grössen,  sondern  er
knüpfte  seine  Ueberlegungen  sofort  an  die  Gcldwerthc  an,  die
er  als  Verkaufsergebniss  aller  landwirthschaftlichoii  Erzeugnisse
bei  dem  Uebergang  aus  der  ersten  Hand  voraussetzte.  Auf
diese  Weise  operirt  er  in  den  Colonnen  seines  Tableau  mit
einigen  Milliarden.  Die  Leichtigkeit,  mit  welcher  er  über  diesen
Cardinalpunkt  der  Werthbestimmung  hin  weggleitet,  ist  für  seine
Methode  kennzeichnend.  Doch  wollen  wir  nicht  vergessen,
dass  bis  zu  seiner  Zeit  alle  Vorstellungen  über  den  Begriff  des
Werthes  nicht  nur  höchst  unentwickelt  waren,  sondern  auch
verworren  durcheinanderliefen.  Sie  waren  nichts  weiter  als
oberflächliche  Reflexionen,  wie  man  sie  zu  einem  grossen  Theil
auch  schon  im  Alterthum  aufweisen  kann.
Hätte  Quesnay  den  Weg  einer  wirklich  natürlichen  Betrachtung ­
  eingcschlagen,  und  hätte  er  sich  nicht  blos  von  der
Rücksicht  auf  die  edlen  Metalle  und  die  Geldmenge,  sondern
auch  von  derjenigen  auf  die  Geldwerthe  frei  gemacht,  so  würde
er  die  colossalen  Irrthümer,  zu  denen  sein  Productivitätsbegriff
führte,  sicherlich  vermieden  haben.  So  aber  rechnete  er  mit
lauter  Werthsummen  und  dachte  sich  das  Nettoproduct  ebenfalls ­
  von  vornherein  als  einen  Geldworth.  Er  gewann  dasselbe
indem  er  die  Auslagen  in  Abzug  brachte  und  hauptsächlich  an
denjenigen  Werth  dachte,  der  dem  Grundeigenthümer  als  Rente
zufiele.  Andererseits  geht  nun  aber  auch  das  Nettoproduct  als
Naturalgegenstand  in  die  Circulation  und  wird  auf  diese  Weise
ein  Element,  durch  welches  die  als  steril  bezeichnete  Classe,
d.  h.  die  technisch  industrielle  und  die  blos  consumirende  Bevölkerung, ­
  zu  unterhalten  und  zu  ihren  Leistungen  in  den
Stand  zu  setzen  ist.  Hier  kann  man  sofort  die  Verwirrung
bemerken,  welche  dadurch  entsteht,  dass  in  dem  einen  Fall  der
Geldwerth,  in  dem  andern  die  Sache  selbst  den  Gedankengang
bestimmt.  Quesnay  will  eine  doppelte  Ansetzung  des  volkswirthschaftlichen
  Ertrags  vermeiden,  und  da  er  sich  denselben
als  den  Gesammtwerth  aller  Bodenerzeugnisse  gedacht  hat,  so
kann  er  eine  Vermehrung  desselben  nirgend  zulassen.  Der
Gewerbetreibende  ertheilt  daher  nach  dieser  Ansicht  seinen  Erzeugnissen ­
  nur  soviel  Werth,  als  er  von  jenem  Nettoproduct
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.