wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit.
aber auch innere Widerstände mußte sie überwinden, wenn sie
den Gedanken der Stadtwirtschaft energisch verwirklichen wollte!).
Charakteristisch jedoch bleibt es, daß die Landesherren die Aus-
bildung der Stadtwirtschaft weit mehr begünstigt als gehindert
haben und daß die Städte keinen erheblichen Kampf gegen eine
Vertretung des platten Landes zu führen brauchten.
Wenn ich sagte, daß das Mittelalter städtefreundlich war, so
widerspricht diese Behauptung einer geläufigen Anschauung.
Man denki sich die mittelalterlichen Städte beständig bedroht
von den Fürsten, mühsam ihre bürgerliche Kultur verteidigend.
Indessen bei näherem Zusehen findet man doch, daß die Fürsten,
die ja freilich unendlich häufig gegen die Städte kämpfen, keines-
wegs das Städtewesen an sich bekämpfen. Es handelte sich ein-
mal bei den Kämpfen zwischen Fürsten und Städten um den
Gegensatz zwischen Fürsten und Reichsstädten. Die Fürsten
wollten die Reichsstädte sich unterwerfen, ihrem Territorium
einverleiben, nicht aber sie als Städte vernichten. Für ihre
Landstädte und deren Interessen waren sie sehr besorgt.
Allerdings finden wir die Fürsten auch oft mit ihren eigenen
Städten im Kampfz aber es handelt sich auch dabei überwiegend
um den Streit um äußere Herrschaftsrechte. Stets schätzten
die Fürsten sich glücklich, Städte zu besißen, und nahmen sich
der Interessen ihrer Städte eifrig an. Es dürfte sich kein Beispiel
namhaft machen lassen, daß die Fürsten einmal spezifisch agrarische
Interessen gegen die Städte ausgespielt hätten. Zwar ist zu-
zugeben, daß die Fürsten nicht immer genügendes Verständnis
für die feineren Bedürfnisse einer höheren wirtschaftlichen Kul-
tur zeigten; sie schädigten oft durch plumpes Zugreifen das
1) Ich habe geltend gemacht (s. unten Nr. IV), daß der Zustand
der Stadtwirtschaft zu beträchtlichem Teil Produkt der Politik ist.
Diesen Gedanken und den Gesichtspunkt der Beweglichkeit der mittel-
alterlichen Handelsverfassung überhaupt hat dann Bächtold, Auf-
gaben der handelsgeschichtlichen Forschung, in den „Jahrbüchern
f. Nationalökonomie“ Bd. 100, III. F. Bd. 45, S. 799 ff., fruchtbar
vertreten. Vgl. auch Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins,
Jahrg. 1918, S. 293 ff. Etwas zu weit geht neuerdings Virenne
in dem Ausbau iener Gedanken.
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