q t III. Die Fürsorge des Staates für die Land-Im
Jahre 1670 wurde für Hinterpommern ein Verbot erlassen,
polnisches Korn einzuführen, weil das Land mit vielem Korn
noch überhäuft sei und die Untertanen es nicht los werden könnten.
Da Kolberg jedoch vorstellte, daß dann die Polen überhaupt
nicht kämen und den Bürgern auch ihre Waren nicht abnähmen,
und da Neustettin klagte, es habe keine andere Handlung
als mit den Polen, und werde durch das Verbot ruiniert,
wurde bald danach die Einfuhr zu Lande wieder eröffnet, und
nur die zur See blieb verboten.
Mit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzt, von
Frankreich ausgehend, die Politik des Merkantilismus ein, der
mit dem System der mittelalterlichen Stadtwirtschaft die Wertschäßung
der städtischen Berufe gemein hat. Unter solchen
Vorausseßungen stand die Fürsorge für die Landwirtschaft
natürlich durchaus im Hintergrund!). Es gab jedoch Staaten,
die der Durchführung des merkantilistischen Systems gewisse
Schranken ziehen zu müssen glaubten. So der preußische Staat.
König Friedrich Wilhelm I. hat, ohne die Rücksicht auf die Städte
zurückzustellen, dem Landmann den inneren Markt zu sichern
gesucht?). Sehr bemerkenswert ist die Stellung Friedrichs des
Großen, der als einer der energischsten Vertreter der merkantilistischen
Jdeen in der Geschichte lebt. Er sette sich doch zum
Zweck, ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Interessen von
Ackerbau und Industrie, von Stadt und Land, herzustellen?).
1) Vgl. z. B. H. v. Srbik, Der staatliche Exporthandel Österreichs,
. 306.
f 2) Vgl. W. Naudé, Die brandenburgisch-preußische Getreidehandelspolitik
von 171301806, Jahrbuch für Gesetgebung, 1905,
s. st. knappen Überblick über die Wirtschaftspolitik Friedrichs
des Gr., der neuerdings eingehende Studien gewidmet worden sind,
findet man bei O. Hinte, Die Indusstrialisierungspolitik Friedrichs
des Gr., Historische und politische Aufsäße, Bd. 2, S. 170 ff.; Hinbe
und Skalweit, Die Wirtschaftspolitik Friedrichs des Gr., Beiheft
zum Militär-Wochenblatt, 1911, Heft 12, S. 396 ff.; Hintze, Die Hohenzollern
und der Adel, H. Z., 112, S. 517. –ê Wie im Westen Deutschlands
sich im 18. Jahrhundert lokal gelegentlich Getreideausfuhrverbote
mehr empfahlen als im Osten, darüber s. F. Lampp, Die
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