wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit. 1 2]
Literatur, die Dorfgeschichten, stehen fast durchweg?) in weiterem
oder engerem Zusammenhang mit der romantischen Bewegung
oder solchen Ideenkreisen, in denen sie ihre Wurzeln hat. Als
ihr Produkt dürfen wir auch Immermanns Oberhof, eines der
vornehmsten Stücke aus den Schilderungen des bäuerlichen
Lebens, ansprechen, wenngleich der Verfasser sich in andern
seiner Werke zu der Romantik mehr kritisch stellt.
Nicht weniger als in den poetischen und agrarpolitischen
Werken der Romantiker wird in ihrer wissenschaftlichen Literatur
die Bedeutung des ländlichen Lebens hervorgehoben. Vor
allem die historische Rechtsschule und ihre Freunde sind hier
zu nennen. Wenn Jakob Grimm seine ,„Deutschen Rechtsaltertümer“
mit ihrer eingehenden Schilderung des an poetischen
Zügen so reichen älteren Rechts, eines Rechts ländlicher Verhältnisse,
veröffenilichte, so lag darin zugleich eine Propaganda
für die Hochschätzung des ländlichen Daseins. Nicht anders steht
es mit seiner großen Ausgabe der deutschen Weistümer, die
uns mit so viel originellen Zügen aus dem Leben des Landvolks
bekannt machen ?). Er trieb diese Dinge nicht bloß als
gelehrte Studien, sondern war gemütlich dabei beteiligt. Die
Grundvorstellung der Romantiker, daß es darauf ankomme,
die Volksseele, und zwar die unverfälschte Volksseele zu erforschen,
führte sie vor allem auf den Stand des Landmanns, bei dem
die Volksseele von allen äußeren Einflüssen am meisten frei geblieben
zu sein schiens). Weiterhin mögen nur G. L. v. Maurers
1) Über den Zusammenhang der älteren Dorfgesschichten mit der
physiokratischen Richtung vgl. D. L. Z. 1907, Nr. 51/52, Sp. 3236;
siehe auch ebenda 1908, Nr. 41, Sp. 2602.
2) In der Vorrede (S. IV) des zweiten Bandes der Weistümer
äußert Grimm seinen Unwillen darüber, daß jemand sich gerühmt habe,
ein altes Weistum verbrannt zu haben, „um diesen Überrest des Mittelalters
zu vertilgen“.
s) Schmidt von Werneuchen, der in seiner Verherrlichung des
Landlebens die Bauern in der Mark Brandenburg mit Sympathie
geschildert hatte, wird von Goethe in seinem Xenion „Kalender der
Musen und Grazien“ usw. hart mitgenommen. Grimm nahm sich
aber seiner an und hebt seine Verdienste hervor. Val. Schriften der
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