Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit.
vor den Bauern stellten, so ist bei Riehl das Verhältnis eher
umgekehrt. Als Führer der Landleute erscheint aber auch ihm
der Großgrundbesißzer. Er weist den Gutsherren besondere
Aufgaben zu!).
Im Sinne Riehls sind nach ihm Landleben und Landvolk, insbesondere
 der Bauernstand, oft genug als Jungbrunnen der
Nation gefeiert worden. Der Stand der Großgrundbesitzer ist
Gegenstand der Anfeindung gewesen, hat aber auch und zwar
von uninteressierter Seite Verteidiger gefunden. Man wies
auf den Großgründbesitz als führendes Element der Landwirtschaft
 und auf seine Bedeutung für die allgemeinen staatlichen
und nationalen Angelegenheiten hin.
Man spricht davon, daß etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
 die Romantik und ihre Gegnerschaft dem einfachen
Macht- und JInteressenkampf Platz machen. Doch durchziehen
auch in den späteren Jahrzehnten bis zur Gegenwart romantische
 Motive die politischen und wirtschaftlichen Gegensätze,
und aus romantischen Motiven entstanden der Landwirtschaft
immer von neuem Anwälte. Auch da, wo uns später heftige
politische und wirtschaftliche Kämpfe begegnen, finden wir als
Ursprünge der Bewegung ganz idealistische, sogar poetisch bestimmte
 Motive?).
!) Riehl, Bürgerl. Gesellschaft, S. 185: „Der Landadel soll den
Bauern zeigen, was die Macht der Intelligenz im Ackerbau auf sich
hat; er soll auch für sie experimentieren mit der Einführung wirtschaftlicher
 Verbesserungen“ usw. – Das Wort Landadel gebraucht
Riehl wohl im weiten Sinn, in dem vom Gutsbesitßertum, obgleich
es möglich ist, daß ihm, der die genannten Werke im dritten Viertel
des 19. Jahrhunderts schrieb, das Gutsbesitertum als ein vorzugsweise
 adliger Kreis erschien. S. übrigens G. F. Knapp, Grundherrschaft
 und Rittergut, S. 24: „Das Junkertum ist ein weiterer Begriff
als der Landadel: es ist unser Gutsbesitzertum.“ Vgl. dazu meine
Schrift: Das parlamentarische Wahlrecht in Deutschland (1909),
2) Es ist z. B. charakteristisch, daß der Begründer der Gruppe der
neueren „Agrarier“ und „Steuer- und Wirtschaftsreformer“, M. A.
Niendorf, seinen Ausgang in einer Dichtung, die die viel verachtete
märkische Landschaft feiert („Die Hegler Mühle, Zyklus märkischer

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