Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit. 129
mung ist der Unterton, von dem die neuen Maßnahmen begleitet
 werden. Natürlich schließt sie höchst reale und konkrete Erwägungen
 und höchst reale und konkrete Ziele nicht aus.
Unter dieser romantischen Stimmung ist in der öffentlichen
Meinung und in der Gesetzgebung eine Anschauung zur Herrschaft
 gelangt, die der des Mittelalters ganz entgegengesetzt ist.
Im Mittelalter hatte man gemeint, Landleute, Bauern
würde es immer noch genug geben; für sie brauche man nicht
zu sorgen. Man glaubte aus den Landleuten und dem platten
Land Riemen schneiden zu dürfen für alle privilegierten Klassen.
Heute urteilt man ganz anders: das Landleben wird als der
Jungbrunnen der Nation aufgefaßt. Man urteilt, daß eine
Nation, die nicht einen starken Stamm von Landleuten habe,
dem Untergang geweiht sei. Landleute sind so wenig im Überfluß
 vorhanden, daß es geboten ist, beständig auf Mittel und
Wege zu denken, sie zu vermehren. Der Stand der Landleute
darf nicht vermindert oder zurückgesetzt, sondern muß konserviert,
 vermehrt und gepflegt werden.
Es liegt ohne Zweifel ein Widerspruch darin, daß die Romantik,
 die doch, wie die Vorzüge der Vergangenheit überhaupt,
so insbesondere die des Mittelalters ins Licht stellen wollte, im
Erfolg zu einer Anschauung und zur Empfehlung einer Gesetzgebung
 gelangt ist, die auf einer anderen Schätzung des Landmanns
 beruht, als sie dem Mittelalter eigen war. Indessen abgesehen
 davon, daß ja auch sonst die Romantik die Vergangenheit
 idealisiert hat, es besteht hier doch eine Anknüpfung an die
tatsächlichen Verhältnisse des Mittelalters insofern, als die Romantik
 den vollkräftigen Landmannsstand, wie er sich im Mittelalter
 troß aller Ungunst des öffentlichen Urteils und der Gesetzgebung
 behauptete, wiederhergestellt und bewahrt sehen möchte.
Was im Mittelalter Geschenk der Natur war, das von Staats
wegen zu hegen und zu pflegen erachtet man jetzt als Pflicht.
Man ist auf neue Werte. die das Land, die Landwirtschaft,
der Stand der Landleute in sich bergen, aufmerksam geworden.
Man weist auf die Fülle hier liegender technischer und volitischer
v. Be low. WMWirtschastsgeschichte 2. Aufl.
            
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