Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

III. Die Fürsorge des Staates für die Landtelalters),
 daß ein gewaltiger Teil unserer politischen und wirtschaftlichen
 Kraft in der Landwirtschaft und dem ländlichen
Leben liegt.
Die Frage der Berechtigung des Fideikommissses wird von
allgemeinen politischen, nationalen, volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten
 aus und staatlich geregelt, während in den ersten
Jahrhunderten des Bestehens der Fideikommissse der Staat an
ihnen kein Interesse nahm und später nur den politischen Gesichtspunkt
 bei ihnen betonte!). Der Großgrundbesit wird gewertet
 nach seiner allgemeinen Bedeutung für die Landwirtschaft
 und die Nation?).
Um eine höhere Schätzung der Allmenden, deren wir schon
gedachten, zu bewirken, trafen die Arbeiten der historischen
Rechtsschule und der aus ihr hervorwachsenden historischen Schule
der Nationalökonomie über die alte Dorf- und Markverfassung
1) Über die Fideikommißfrage habe ich mich eingehend geäußert
in meinem Aufsat „Die Frage der Vermehrung der Fideikommisssse
in Preußen“ in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 1904, Nr. 299
u. 300, vom 29. u. 30. Dezember (vgl. auch meine Kriegs- und Friedensfragen
 [ Dresden 1917, S. 115]). In meinem Artikel „Adel“ im „Handwörterbuch
 der Staatswissenschaften“ bin ich der Ansicht beigetreten,
daß das Fideikommiß eine aus Spanien übernommene Einrichtung
sei. Inzwischen habe ich mich davon überzeugt, daß die neuerdings
von Herbert Meyer vertretene Ansicht Gierkes zu Recht besteht, wonach
 man von einem selbständigen deutschrechtlichen Ursprung sprechen
darf. Vgl. H. Meyer, Die Anfänge des Familienfideikommisses in
Deutschland, in: Jestschr. f. Sohm (1914), S. 224 ft., 253, 262; derÖ.,
Rechtsgutachten wegen der Fideikommißherrschaft Sterzendorf,
S. 5 u. 7. –ê Fehr, Die Rechtsstellung der Frau und der Kinder in
den Weistümern (1912), S. 67 nimmt (wenigstens lokal) an, daß
innerhalb der bäuerlichen Kreise im Mittelalter das Majorat dem
Hofrechts-, das Minorat dem Landsrechtskreis angehört.
?) Vgl. Sering, S. 8. Es mögen hier ein paar Schilderungen
des Lebens auf den norddeutschen Rittergütern erwähnt werden:
Briefe und Tagebücher J. H. Wicherns, herausg. von J. Wichern,
Bd. 2, S. 132 ff., 300 und mehrfach; P. D. Fischer, Betrachtungen
eines in Deutschland reisenden Deutschen (1895), S. 110 ff. Für das
18. Jahrhundert haben wir das lehrreiche Buch des Dänen Aage
Friis über die Bernstorffs.

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