wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit.
freilich hinter denen für Handel und Industrie noch zurückbleiben,
so könnte man dagegen in dem agrarischen Zoll, soweit ihn die
industrielle Bevölkerung zu tragen hat, ein von einem Teil des
Volks der Landwirtschaft gebrachtes Opfer sehen. Man ist geneigt,
hierin ein ausgleichendes Verhältnis historischer Gerechtigkeit
zu finden, nach den Opfern, die im Mittelalter das Land
den Städten bringen mußte. Freilich wäre dies nur eine geschichtsphilosophische
Betrachtung. Die Akte der Gesetzgebung
dürfen nicht von Erwägungen historischer Dankbarkeit diktiert
werden, sondern nur von dem, was für die Gegenwart zweckmäßig
und richtig ist. Allein die historische Betrachtung hilft
uns dazu, das für die Gegenwart und Zukunft Zweckmäßige
und Richtige zu erkennen.
Fassen wir zum Schluß in ein paar knappen Sätzen den Hauptinhalt
unserer Darlegungen zusammen.
In den älteren Jahrhunderten wird die Landwirtschaft
einfach in den Dienst der Stadt gestellt. Die Landwirtschaft
ist auch noch wenig entwickelt, so daß sie nicht viel den Trieb
zeigt, sich selbständig zur Geltung zu bringen. Allmählich erwacht
dieser Trieb. Die Landwirtschaft fordert nun zunächst
Befreiung von der Vormundschaft der Stadt. Indem der
Staat hier ordnend eingreift, zieht er gleichzeitig die Regelung
der ländlichen Verhältnisse auf andern Gebieten vor sein Forum.
Das 18. und das 19. Jahrhundert bringen eine Umgestaltung
der Agrarverfassung unter wesentlicher Mitwirkung des Staats:
negativ durch definitive Wegräumung der mittelalterlichen
Schranken, sowohl derjenigen, die die Stadt, wie derjenigen,
die die Grundherrschaft und die Gemeinde oder Markgenossenschaft
gezogen hatte; positiv – um nur zwei besonders merkbare
Maßnahmen zu erwähnen ~ durch staatlichen Bauernschutz
und agrarische Zölle. Die Landwirtschaft verlangt den Zollschuß
einmal, weil sie durch auswärtige Konkurrenz bedroht
wird, aber auch deshalb, weil der Aufschwung der Industrie
ihre Produktionsbedingungen schwieriger macht. Der Ruf nach
Schutz der Landwirtschaft fällt zeitlich mit dem Aufsteigen der
Industrie zusammen.
1 Z9