Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 175 
Es ist charakteristisch, daß der Ausdruck Autarkie im Altertum 
nicht für das Haus, sondern für die Stadt geprägt worden ist. 
Die Autarkie des Hauses, auf die Rodbertus den gesamten Gang 
der antiken Wirtschaftsgeschichte stützt, war im wesentlichen erst 
ein Entwicklungsprodukt der römischen Kaiserzeit; von ihren 
schaft“ nennt, so gibt er damit ebenfalls für Meyer Zeugnis ab. 
Der Vorwurf, den Sombart S. 372 Anm. 1 gegen ihn erhebt, wäre 
an eine andere Adresse zu richten gewesen. Vgl. ferner Pierstorff, 
Jahrbücher für Nationalökonomie 67, 129: „Die Zusammenfassung 
der eigentlichen Familienwirtschaft, der Fronhofwirtschaft und der 
antiken Sklavenwirtschaft in der einheitlichen Kategorie der geschlos- 
senen Hauswirtschaft sowie die einfache Gegenübersstellung dieser ge- 
schlossenen Hauswirtschaft und der Stadiwirtschaft scheint uns den 
Dingen Zwang anzutun. Mag man noch allenfalls die Fronhofs- 
wirtschaft troß weitgehender Unterschiede mit der eigentlichenFamilien- 
wirtschaft zusammenfassen, so scheinen uns doch die kapitalistischen 
Sklavenbetriebe der späteren Römerzeit von der Fronhofswirtschaft 
so grundverschieden, daß sie als ein bloßer Ausläufer nicht mehr gelten 
können. Sie stellen andrerseits doch offenbar Geldwirtschaft dar, 
ohne darum Stadtwirtschaft oder Unternehmerwirtschaft im modernen 
Sinne zu sein. Wir erlauben uns, die Zulässsigkeit eines Verfahrens 
in Zweifel zu ziehen, das in ein, aus den Verhältnissen der christlich- 
germanischen Völker gewonnenes, Entwicklungsschema die antike 
Sklavenwirtschaft einzupasssen sucht. Die letztere entwickelte sich 
eigenartig und teilweise in anderer Richtung als die Hauswirt- 
schaft der germanischen und romanischen Völker.n — Mehr zu 
Gunsten Büchers spricht sich L. M. Hartmann, Zeitschr. f. Soz.- u. 
W. G. 4, 153 ff., aus. + Mitteis, „Aus den griechischen Papyrus- 
urkunden“ (Leipzig 1900) S. 26 erklärt es für ,„sicher, daß die Rod- 
bertussche Autarkie des Dikos auf arger Übertreibung beruht und von 
der wirtschaftlichen Entwicklung des Altertums ein durchaus unrichtiges 
Bild gibt“, und bemerkt S. 29, es werde nach der packenden Darstellung, 
die Ed. Meyer von der merkantilen Entwicklung der römischen Antike 
gegeben habe, wohl niemand dieselbe unterschäßen wollen. Andrer- 
seits glaubt er aber auch vor einer Überschätzung der Ausdehnung der 
Geldwirtschasft und des Güteraustausches warnen zu müssen. Er 
scheint die Wirtschaft des klassischen Altertums etwa mit der Stadt- 
wirtschaft des deutschen Mittelalters in Parallele zu stellen. Vgl. 
S. 29: „Die große Mehrzahl der Städte hat . . . nur einen lokalen 
Markt und nur eine lokale Industrie gehabt.“ Über die Schwäche 
ft! industriellen Produktion in Griechenland s. D. L. Z. 1901,
	        
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