176 IV. Über Theorien der wirtschastlichen Entwicklung der Völker,
ländlichen Grundbesitverhältnissen hat er sein, auch da noch
zu scharf gezeichnetes, Bild übernommen; diese Zustände be-
deuten aber eine Rückbildung gegenüber den früheren.!) Der
römische Gutsbetrieb der Zeiten von Cato und Varro steht mit
der Außenwelt in fortwährenden, vielseitigen Wechselbeziehun-
gen.?) Im ganzen genommen, liefert das klassische Altertum
ganz und gar nicht ein Beispiel für die Hauswirischaft, sondern
etwa für die Stadtwirtschaft und geht wohl auch über diese
hinaus.
Es bleibt immer noch die Frage zu erörtern, ob das
Altertum nicht eine Parallele zu den drei Stufen des Mittel-
alters und der Neuzeit liefert); jedenfalls weist es min-
destens zwei, Haus- und Stadtwirtschaft, auf. Jch möchte
ferner auf die Völker des nördlichen Afrika (in der Gegen-
wart) hinweisen. Bücher wird ihnen keine höhere Stuse zu-
erkennen als die der Hauswirtschaft. Troßdem sehen wir,
daß bei ihnen der Handel eine große Rolle spielt, bei man-
chen eine größere sogar, als man sie für ein auf der Bücherschen
Stufe der Stadtwirtschaft stehendes Volk annehmen würdet),
1) Ed. Meyer, Kleine Schriften S. 83. Vgl. Pöhlmann, Aus Alter-
tum und Gegenwart S. 186. Schönberg, Jahrbücher f. Nat. 9, S. 154
hat wohl als erster die hofrechtliche Theorie mit Rodbertus’ Oikostheorie
verbunden. Über die Konkurrenz von freier und Sklavenarbeit im
Altertum vgl. Ed. Meyer, S. 169 ff.; H. Z. 85, S.407 Anm. 1; H. Z. 112,
S. 16 ff.; m. Art. Unfreiheit im Wörterbuch der Volkswirtschaft.
2) H. Gummerus, Der römische Gutsbetrieb (1906), S. 96.
3) Vgl. Stammler, Wirtschaft und Recht, 2. Aufl., S. 657.
4) Nachtigal, Sahara und Sudan 1, 458 f. 494. 524 f. 529. 533.
555. Besonders interessant ist S. 536 über die Wirkung des Handels
auf die Gestaltung anderer Erwerbszweige. S. 458: Die Arbeit eines
ganzen Volksstammes ist dem Handel bzw. dem Reisen im Dienste
des Handels gewidmet. H. Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord-
und Zentralafrika 1 (Gotha 1857), 571: „Es ist wohl ein bemerkens-
werter Umstand, daß ein einziger Artikel, das Salz, den Gegenstand
dieser ganzen großen Bewegung bildete. An den nacktesten, unfrucht-
barsten Stätten der Wüste hat die schöpferische Natur jene unerschöpf-
lichen Salzlager ausgebreitet, während sie weiten Landschaften des
fruchtbaren Innern dieses den Menschen zum notwendigen Bedarf
gewordene Mineral gänzlich versagt hat. So tief eingegraben in den