Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 177
während doch sonst Zeichen der Stadtwirtschaft bei ihnen nicht
vorhanden sind. Eine bemerkenswerte Erscheinung haben wir
weiter an den Malayen. Sie treiben unendlich viel mehr Handel,
 als man nach ihrer sonstigen Kulturstufe erwarten sollte !).
Solche Tatsachen zeigen doch, daß man an der Annahme einer
so geraden Entwicklungslinie, wie sie Büchers Schema voraussett,
 nicht festhalten darf. Er hat sich übrigens selbst genötigt
gesehen diesem Umstand in der zweiten Auflage (S. 139) durch
Einschiebung eines neuen Satzes Rechnung zu tragen, in dem
er anerkennt, daß die Ungleichheit der Naturgaben bei den einzelnen
 Vö kern eine verschiedene Ausebildung der technischen
Geschicklichkeit bewirkt. Bestimmte geographische Verhältnisse),
verschiedene Beanlagung der Völker?), auswärtige Beziehungen,
Geseßen der Natur liegt das Prinzip des Völkerverkehrs, des Austausches
 der Bedürfnisse. Aus weiter Ferne zieht der Bewohner jener
ungastlichen Zonen zu den Salzlagern, beladet seine Hunderte und
Tausende von Tieren und zieht in Monate langem Marsch anderen
fruchtbaren Zonen zu, deren Bewohner gern mit ihrem Korn und
den Produkten ihrer Industrie ihm sein Salz abkaufen." S. 574:
„Eine ganze Nation war hier in Bewegung, ihrem großartigen Berufe
 nachzugehen, die Bedürfnisse anderer Stämme zu befriedigen
und dagegen dasjenige einzutauschen, dessen sie sselbst bedurfte."
Fühlen wir uns, unbeschadet Büchers nationalökonomischer Einsicht,
nicht zu der Bemerkung veranlaßt, daß hier Barth seinerseits doch auch
große nationalökonomische Wahrheiten ausspricht? – Man mag immerhin
 die Völker Nord- und Zentralafrikas als Kulturvölker bezeichnen,
jedenfalls paßt auf sie nicht das Schema Büchers. Überdies finden
wir auch bei afrikanischen Völkern, die auf noch niedrigerer Kulturstufe
 stehen, eine große Bedeutung des Handels, insbesondere des
Marktverkehrs, wie man sie nach jenem Schema nicht erwarten sollte.
!) Ratzel, Völkerkunde 1 (2. Aufl.), 160: „Ganze Völkerschaften
sind durch den Handel gleichsam verflüssigt."
2) Bücher sselbst macht S. 80 Anm. 2 (vgl. auch S. 144 f. die der
zweiten Auflage neu einverleibten Sätze) auf die aus den verschiedenen
lokalen Bedingungen hervorgehenden Abweichungen aufmerksam.
Er hätte sie aber bei der Feststellung des Gesamtresultates berücfsichtaen
 ht zu Obigem noch Scheffer-Boichorsts bekannte Abhandlung
zur Geschichte der Syrer im Abendlande, Mitteilungen des Instituts
für österreichische Geschichte 6, 527, wieder gedruckt in: Gesammelte
v. Be lo w, Wirtsschastsgeschicbhte. 2. Ausl. 12
            
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