Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 189 
lagen der Geschichtswissenschaft zu tun, die wir nicht in ihrem 
ganzen Zusammenhang erörtern wollen!). Nur einige kurze 
Bemerkungen seien gestattet. Das historisch Wichtige, Wesent- 
liche ist keineswegs mit dem, was sich aus den versschiedenen 
historischen Erscheinungen als Gemeinsames, Regelmäßiges, 
Normales ergibt, identisch. Mit dem bloßen Interesse für das 
letttere bringt man es nicht weit, wenn man die lebendigen 
Kräfte der Geschichte erkennen will. Gerade die Abweichungen 
sind interessant oder wenigstens nicht minder wichtig als die 
Regel?). Die Entwicklungsreihen, wie sie durch die einseitige 
Berücksichtigung der als das Normale angenommenen Tat- 
sachen gewonnen werden, stellen allenfalls Kampfressultate dar, 
führen aber kaum in die Geheimnisse des. historischen Lebens ein. 
Der Historiker nimmt keineswegs den Standpunkt des 
Skeptikers ein, wenn er die Voraussetzung „eines überall (bei 
allen Völkern) gleichartig verlaufenden Entwicklungegangs“',?) 
die Vorausseßzung (wie sie uns z. B. in Büchers Lohnwerks- 
theorie entgegentritt), daß überall im wirtschaftlichen Leben 
eine kontinuierliche Entwicklung von der Gebundenheit zur Frei- 
heit stattfinde, ablehnt. Er lehnt solche Voraussetzungen ab, 
weil sie nicht nur nicht beweisbar sind, sondern durch die unbe- 
fangene historische Forschung widerlegt werden. Grundlage 
aller historischen Darstellungen muß das historische Material 
bleiben, für die historischen Begriffe wie für die dürrsten ein- 
R 1) Vgl. hierzu die oben S. 24ff. und S. 163 Anm.1 erwähnte 
iteratur. 
2) Ich habe in meiner Besprechung der Knippingschen Edition 
der Kölner Stadtrechnungen in der Westdeutschen Zeitschr. 19, 67 ff. 
auseinandergesett, daß die Finanzgeschichte Kölns, der die Historiker 
mit Recht große Aufmerksamkeit widmen, keineswegs für die Finanz- 
geschichte der deutschen Städte typisch, vielmehr in wichtigen Punkten 
fast einzigartig ist, daß aber gerade sie die treibenden Faktoren, die 
in der Geschichte der mittelalterlichen Städte wirksam sind, erkennen 
läßt. Auch Edward Schröder, Mitteilungen des Instituts für öster- 
reichische Geschichtsforschung 1899, S. 374, zeigt, wie wenig die Be- 
schränkung auf die Typen die Erkenntnis fördert. 
s) Cunow, D. L. Z. 1897, Sp. 787 f.
	        
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