Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

1 90 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
zelnen Daten. Gerade die Erörterung der Stufentheorien hat 
gelehrt, wie wenig die erhabenen Urteile von Nationalökonomen 
(Schmoller, Bücher, Sombart, Plenge) über die Arbeit der Histori- 
ker am Platz s nd !). Der Geschichtsforscher haftet wahrlich nicht 
am äußern Stoff; er will die Fülle der Gestalten des Lebens 
zur Anschauung bringen; die konstruktive Zusammenfassung ist 
auch sein Ziel. Wenn das höchste Kennzeichen echter Wissen- 
schaft die allseitig zutreffende und präzise Formulierung des 
zusammenfassenden Urteils, isit so sieht der Historiker sein Amt 
darin, die Tatsachen sorgfältig und möglichst vollständig festzustel- 
len, kausal zn verknüpfen, unter überindividuelle Jdeen einzu- 
ordnen, den Wert der Objekte zu ermitteln. Er gestaltet aus 
der Beobachtung der Tatsachen; aber die Gestaltung ist ganz 
und gar sein Zweck. Für diese Arbeit ist ihm auch die Ver- 
wertung der Stufenbegriffe ein willkommenes Hilfsmittel?). 
Es kommt freilich darauf an, den rechten Gebrauch zu machen, 
das herauszubekommen, was sie in Wahrheit sein und leisten 
können. 
Hat der Mißbrauch, den man mit den angeblich geset mäßigen 
Stufenfolgen getrieben hat, schon eine vollkommene Stkepsis 
hervorgerufen?), so wollen wir sie keineswegs entbehren. Es 
1) Vgl. z. B. Zeitschr. f. Sozialw. 1904, S. 452 und S. 462; 
V.j.schr. f. Soz. u. W. G. 1811, S. 241; Plenge, Annalen für soziale 
Politik, 5. Bd., S. 51. 
2) Plenge a. a. O. 51 f. bestreitet, daß die Stufenbegriffe von den 
Historikern als wertvolles Hilfsmittel verwertet worden sind. Ein 
Blick in meine Arbeiten hätte ihn vom Gegenteil überzeugen können. 
~ Zu den bemerkenswerten tritischen Urteilen Plenges S. 45 über 
die Lücken bei Engels und namentlich Marx in ihrer Beschäftigung 
mit der Gesellschaftsgeschichte vgl. m. „Deutsche Gesschichtsschreibung 
von den Befreiungskriegen bis zu unsern Tagen“, woselbst ich S. 124 ff. 
eine literarhistorische Kritik des „kommunistischen Manifests" gegeben 
habe. Plenge S. 500 irrt, wenn er meint, daß erst durch Marx das 
Verhältnis zur Kulturordnung eine grundsätzliche wissenschoftliche 
Frage geworden sei. S. dagegen meine angeführte Darstellung. 
s) Der Rezensent von Gummerus, der röm. Gutsbetrieb, in der 
D. L. Z. 1907, Sp. 2731 f. geht doch zu weit, von der „berüchtigten“ 
Einteilung in Haus-, Stadt- und Volkswirtschaft zu sprechen, wie-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.