Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 191
lößt sich von ihnen indessen nur Gebrauch machen, wenn man
die verschiedenen Stufen als Idealtypen ansieht, an denen man
die Zustände eines Volks in einer bestimmten Zeit messen kann.
Die Notwendigkeit einer solchen Unterscheidung hat M. Weber!)
scharfsinnig dargelegt. „Der idealtypische Begriff ist nicht eine
Darstellung des Wirklichen; aber er will der Darstellung eindeutige
 Ausdrucksmittel verleihen." „Man bildet den Begriff
 „Stadtwirtschaft“ nicht etwa als einen Durchschnitt der
in sämtlichen beobachteten Städten tatsächlich bestehenden Wirtschaftsprinzipien,
 sondern als einen Idealtypus. Er wird gewonnen
 durch einseitige Steigerung eines oder einiger Gesichtspunkte
 und durch Zusammenschluß einer Fülle von diffus und
diskret, hier mehr, dort weniger, stellenweise gar nicht vorhandenen
 Einzelerscheinungen, die sich jenen einseitig herausgehobenen
 Gesichtspunkten fügen, zu einem in sich einheitlichen
Gedankenbilde. In seiner begrifflichen Reinheit ist dieses Gedankenbild
 nirgends in der Wirklichkeit empirisch vorfindbar;
es ist eine Utopie. Für die historische Arbeit erwächst die Aufgabe,
 in jede:n einzelnen Falle festzustellen, wie nahe oder wie
fern die Wirklichkeit jenem Idealbilde steht, inwieweit also der
ökonomische Charakter der Verhältnisse einer bestimmten Stadi
als ,stadtwirtschaftlich“ im begrifflichen Sinn anzusprechen
ist. Für den Zweck der Erforschung und Veranschaulichung aber
leistet jener Begriff, vorsichtig angewendet, seine spezifischen
Dienste.“ „Die Versuchung liegt für den Theoretiker recht nahe,
. . . Theorie und Geschichte ineinander zu schieben und geradezu
miteinander zu verwechseln. In noch gesteigertem Maße liegt
dieser Fall dann vor, wenn die Idealkonstruktion einer Entwicklung
 mit der begrifflichen Klassifikation vonJIdealtypen bestimmter
wohl ja die Einsschachtelung von Perioden mit namhaftem Verkehr
in die Stufe der Hauswirtschaft den gerechten Zorn jedes Kenners
der Geschichte erregen muß.
1) M. Weber, die Objektivität sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer
 Erkenntnis, Archiv f. Sozialw. 19, S. 1 ff., besonders S. 64 ff.
und S. 70 ff. Vgl. m. Art. „Wirtschaftsstufen“ im „Wörterbuch der
Volkswirtschaft“, und Ed. Mener, Kleine Schriften S. 86 Anm.
            
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