248 IV. Über Theorien der wirtjschaftlichen Entwicklung der Völker,
Städten herrschenden Grundsätze in sehr vielen Punkten und oft
recht start von der kanonistischen Wirtschaftstheorie ab. Andrerseits
aber sind doch beide durch gewisse allgemeine Jdeen verbunden.
Namentlich begegnet hier wie da die Anschauung,
daß bei allem Kauf das pretium iustum erstrebt werden und für
seine Ermittelung auch die Obrigkeit tätig sein müsse. Wie
sich diese Gemeinsamkeit der Ideen erklärt, bleibt noch im einzelnen
zu beantworten.
Fassen wir schließlich unser Urteil über die Ursachen der
Stadtwirtschaft, soweit es der gegenwärtige Stand der Forschung
erlaubt, zusammen. Als das Städtewesen emporkam, sah man
sich — verhältnismäßig unabhängig — vor die Frage gestellt,
ob man eine leidlich freie Entwicklung zulassen oder das Interesse
der einzelnen Bürgerschaft zur Grundlage nehmen solle. Man
hat sich für das letztere entschieden. Man glaubte durch die
stadtwirtschaftliche Konzentration der bürgerlichen Kräfte, mit
dem Gäste-, dem Stapelrecht, der Stadt die beste Grundlage
zu geben und hat in der Tat damit Großes geschaffen!). Diese
Verhältnisse der Städte gesschrieben. Vgl. hierzu Schäfer, Hansestädte
S. 209; Lastig, Entwicklungswege und Quellen des Handelsrechts
S. 171 f., welcher meint, daß Endemann (von ganz vereinzelten
Ausnahmen abgesehen) in Wahrheit keine handelsrechtliche Literatur
schildert, daß die Verhältnisse des Kaufmanns unabhängig von der
kanonistischen Theorie sich gestaltet haben; Goldschmidt, Universalgeschichte
des Handelsrechts 1, 137 ff.; Ehrenberg, Zeitalter der Fugger
1, 31. Über den Begriff des Wuchers nach städtischer Anschauung
s. auch W. Stein, Akten zur Geschichte der Verfassung und Verwaltung
der Stadt Köln 1, 330 ff. Vgl. auch unten Nr. VII.
1) Zur historischen Rechtfertigung des Stapelrechts vgl. Th. Mayer,
V.j.schr. f. Soz.- u. W. G. Bd. 10, S. 372 u. 376. + Vie die Abschließung,
die Umgrenzung des Markts eine Ursache hoher Kultur
sein kann, erläutert Graf Keßler, Notizen über Mexiko (1898), S. 129 f. :
„Diese Fruchtbarkeit (der tropischen Natur) ist hier ssozusagen kapitalisiert
sichtbar; der Mangel an Export hat sie zu Stein werden lassen:
was an Volkskraft durch das mühelose Empfangen von der schenkenden
Natur entbehrlich gemacht wurde, ist, statt außer Landes zu gehen,
hier geblieben. Also auch hier [im alten Mexiko] wie bei uns im Mittelalter
war der beschränkte Markt eine Ursache hoher Kultur. Man muß
annehmen, daß, wo der Arbeitsertrag größer ist oder schneller steigt