mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 249
Entscheidung wurde allerdings durch die Verhältnisse nahe gelegt.
Daß aber doch wenigstens die Möglichkeit einer anderen
Stellungnahme vorhanden war, geht daraus hervor, daß – wir
erinnern an diese wichtige Tatsache nochmals ~ vor dem Aufkommen
des Städtewesens eine größere Freiheit des Verkehrs
bestand als nachher.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung, in dem speziellen
Ausbau des Systems ist dann von großer Wichtigkeit das momentane?!)
Kräfteverhältnis, der Städte und der Stadtherren,
der Städte unter einander, der einzelnen Gruppen der Bürgerschaft,
gewesen; auch der Zufall der auswärtigen Beziehungen
hat eine Rolle gespielt?). Der jeweilige Erfolg der Politik beals
die materiellen Bedürfnisse und auch nach außen hin keinen Abfluß
findet, die Kraft, die sich staut, Luxusbedürfnisssen zufließt. Luxusbedürfnisse
sind ja nicht wie die materiellen an eine feste Aufnahmefähigkeit
gebunden, sondern steigern sich unbegrenzt nach den Arbeitsmengen,
die sie beherrschen, und können alle Formen und Stufen
der Kunst in Anspruch nehmen, von der Ornamentik der Naturvölker
bis zu den Bauten Ägyptens und den gotischen Domen. Während
die Exportkultur mit der Mehrkraft des Volks Exportwaren schafft,
d. h. einen Ersaß für Wertpapiere, eine Art von Münze, die den Nachteil
hat, viel Arbeit zu kosten und doch zu verfließen, bietet also die
Umgrenzung des Markts den Kraftüberschuß Herrschern, Priestern,
geistig oder künstlerisch verwandten Menschenreihen, allen kurz, die
Schöpfer sein wollen, als ein mächtiges Werkzeug dar, mit dem sie,
wenn ihr Sinn auf Dauerndes geht, über sich selbst hinaus produktiv
werden. So ist es in Yukatan gewesen; sseine Fruchtbarkeit wurde
statt zu Geld zu Bauten.“
?) Über die Bedeutung des Moments für die Verfassungsgeschichte
s. mein Territorium und Stadt S. 280.
2) Über die politischen Ursachen der Stadtwirtschaft mache ich hiermit
nur einige Andeutungen. Wollte man Jie vollständig erörtern, so
müßte man die Autonomie der mittelalterlichen Stadt nach allen Richtungen
hin, insbesondere auch ihre staatliche Selbständigkeit, mit berücksichtigen.
Über den Zusammenhang der wirtschaftlichen und der
politischen Selbständigkeit der deutschen Städte s. Nr. VIII. Hier mag
darauf hingewiesen werden, daß die französischen Städte des Mittelalters
ein geringeres Maß von politischer Autonomie als die deutschen
besessen haben und dabei doch auch wirtschaftliche Selbständigkeit.
Es wäre nun sehr lehrreich, zu beobachten, ob die französischen Städte