mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 253
erst im 4. Jahrhundert reden. Im 5. gibt es den Staat der
Landschaft Attika. Die Dekadenz besteht darin, daß sich der
griechische Staat im 4. Jahrhundert zur rö4s herabmindert!).
Sparta ist nie eine Stadt gewesen. Vielleicht trifft der Begriff
Stadtstaat für die ionischen Kolonien zu. Der Stadtstaat Rom,
der den Ruhm Italiens ausgebreitet hat, hat eine stetig wachsende
Landschaft seiner Herrschaft unterworfen, aber nicht bloß, wie
es bei den mittelalterlichen Stadtrepubliken Italiens und teil-
weise bei den schweizer Kantonen der Fall war, durch die Unter-
werfung vorhandener Gemeinden, als vielmehr zugleich durch
die Begründung neuer Stadtgemeinden (Kolonien).
In gewisser Beziehung kann Jtalien als Land der aus-
geprägtesten Stadtherrschaft angesehen werden, insofern das
Leben in Italien wesentlich städtisch ist, die Stadt viel mehr als
in anderen Staaten des Abendlands Siedlungsmittelpuntkt ist,
der Ackerbauer durchaus die Neigung bekundet, in der Stadt
zu wohnen. Wenn man hiernach vermuten könnte, daß der
Ackermann in Italien nicht vom Städter beherrscht wird, weil
er mit dem Vertreter von Handel und Gewerbe in der Stadt
lebt, so trifft diese Schlußfolgerung freilich nicht zu: die italienische
Stadt – im Mittelalter leben die Verhältnisse des Altertums
wieder auf ~ beherrscht durchaus das umliegende Land, nicht
bloß in der Art, wie es in Deutschland der Fall ist, sondern weit
mehr, auch durch die Überführung des Landeigentums in städ-
tische Hand. Jtalien kennt nicht die Selbständigkeit des platten
Landes, die in Deutschland trotz der herrschenden Stadtwirt-
schaft sich leidlich erhielt und in den neueren Jahrhunderten sich
kräftiger erhob.
So treten uns die Schwierigkeiten der Vergleichung ent-
gegen. Das römische Reich, etwa in den letten Zeiten der Re-
publik, zeigt einen Etagenbau: an der Spitze die Stadt Rom,
der das ganze Reich dienstbar ist; in den Provinzen wohl auch
je eine überragende Stadt; schließlich die einzelnen Städte mit
1) Vgl. unten Nr. VII. Ed. Schwartz, Theolog. Literaturzeitung
1918, Nr. 1. Prinz, Funde aus Nautkratis S. 147.