Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

256 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
dartun. Wie im mittelalterlichen Rechte ist ferner das Gewerberecht
 in den Schutzgebieten nicht einheitlich festgelegt, sondern
es setzt sich aus unendlich vielen einzelnen Verordnungen verschiedener
 zur Rechtssekung berufener Instanzen zusammen.
Bei den Erscheinungen, in denen wir den Begrifr der Stadtwirtschaft
 irgendwie verwirklicht fanden, haben wir die Beobachtung
 gemacht, daß bald ein Bestandteil, bald ein anderer desselben
stärker ausgebildet ist. Dies führt uns auf einen wichtigen
weitern Vorbehalt, der sich uns als notwendig für die Verwendung
 der Stufenbegriffe ergibt, den nämlich, daß es unmöglich
 ist, Stufentheorien aufzustellen, die das gesamte geschichtliche
 Leben zum Ausdruck bringen. Wenn Plenge!) gegen
Bücher den besondern Vorwurf erhebt, daß seine Theorie nicht
„die gesellschaftliche Gesamtentwicklung zur Darstellung bringe“,
so fordert er von ihr mehr, als sie bieten will, und er leistet auch
selbst nicht das, was er zu leisten sich anheischig macht. Denn mit
seinen „vier Kulturperioden: ritterlich-bäuerliche Periode, Periode
 der Vollkraft des städtischen Lebens, Periode der absoluten
Fürsten- und Königsmacht, Zeit des neuen Bürgertums“ würde
sich der Historiker der allgemeinen Geschichte noch nicht zufrieden
geben, wobei wir nur nebenbei erwähnen, daß auf die Vollkraft
 des städtischen Lebens nicht sogleich der Absolutismus folgt
und daß die Landstände mit ihrem nicht geringen Einfluß hierbei
 vergessen bleiben. Im Grund hat sich auch Plenge bei seinen
„Kulturperioden“ nicht von allgemeingesschichilichen, sondern
von wirtschaftsgeschichtlichen Gesichtspunkten leiten lassen und
zwar – im Gegensat zu Bücher ~ nicht einmal von solchen
der allgemeinen Wirtschaftsgeschichte, sondern lediglich von
solchen der Geschichte der Wirtschastspolitik. Bescheiden wir uns
und erkennen wir an, daß die sehr weitmaschige alte Periodisierung
 „Altertum, Mittelalter und Neuzeit“ noch immer die
brauchbarsste ist, wenn wir eine Einteilung der allgemeinen Geschichte
 geben wollen. Wir werden aber in unserer Kritik noch
weiter gehen dürfen und von Büchers Stufentheorie feststellen,
daß auch sie einen weniger allgemeinen Charakter hat, als sie
!) Plenge a. a, O. S. 492 und S. 499.
            
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