Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

I. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie.
logen!) geltend. Man macht sich anheischig, in unbedingtem
Vertrauen zur vergleichenden Methode Entvicklungsgesete,
die für alle Völker gültig seien, zu ermitteln.
Innerhalb der zünftigen Geschichtswissenschaft hind die
Anhänger solcher Anschauungen im allgemeinen nicht heimisch.
Neuerdings haben sich jedoch dann und wann auch Historiker
diesen Theorien zugänglich gezeigt. Und wenigstens einzelne
Ansichten, die als Resultate der einen „vergleichenden Methode“
geboten worden waren, sind sogar von Geschichtsforschern angenommen,
 die in ihrer Praxis ganz anderen Grundsätzen
huldigen. Den größten Eifer der Propaganda für die ,vergleichende
 Methode“ zeigt unter den Historikern, wie männiglich
 bekannt, Karl Lamprecht. Er erklärt?) „die Vergleichung
für das größte Hilfsmittel geisteswissenschaftlicher Forschung".
Die .modernen Anschauungen huldigenden Historiker erhalten
nach ihm, ,da sie mit der Vergleichung bis in den Kern Ernst
machen, lange Entwicklungsreihen“. Es herrscht bei ihnen
„die Überzeugung, daß die einzelnen nationalen Entwicklungen
der historisch bekannten Völker derselben Entwicklungstendenz
folgen“. Wie wisssenschaftliches Denken überhaupt „nur auf
das Vergleichbare, Typische gehen kann“, so sei es auch bei
der Geschichtswissenschast der Fall. Der „vergleichenden Methode“
stellt Lamprecht „die niedere (Niebuhrsche) Methode der Quellenanalyse
 und der Konstatierung des einfachen Faktums"
!) Ich spreche absichtlich von den ,sogenannten“" Soziologen,
weil ich der angeblichen Wissenschaft der „Soziologie“ jede Existenzberechtigung
 abspreche. Auch in der Begrenzung, die Simmel ihr
geben will, vermag ich sie nicht anzuerkennen.
Val. hierzu meine Bemerkungen in der H. Z. Bd. 106, S. 103;
K. Diehl, Ztischr. für Rechtsphilosophie Bd. 1, S. 331 ff.; meine
„Deutsche Geschichtschreibung von den Befreiungskriegen bis zu
unsern Tagen“ S. 102; m. Art.: „Was ist Soziologie?“ in der Monatsschrift
 „Hochland“, 1919, Febr.-Heft, S. 550 ff. (dazu „Grenzboten“
vom 18. Febr. 1919, S. 119 ff.); m. Schrift: ,„ Soziologie als Lehrfach''.

?) Vgl. z. B. seine sehr bestimmt gehaltenen Äußerungen im
Literarischen Zentralblatt, Jahrgang 1900, Nr. 48, Sp. 1972.
            
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