VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalte. 305
Die am weitesten gehenden Vorstellungen von der Verbreitung
der Großhändler hat wohl G. Steinhausen, in seiner kulturhistorischen
Schilderung „Der Kaufmann in der deutschen Vergangenheit“
(1899): er schildert nicht nur für das 13. Jahrhundert
den „Typus des Großkaufmanns“, der ein Kapitalist
von fast moderner Art ist, sondern versettt ihn bereits in das
11. Jahrhundert (S. 18).
Eine ganz andere Anschauung hatte inzwischen K. Bücher
schon im Jahre 1886 in seiner „Bevölkerung von Frankfurt a. M.
im 14. und 15. Jahrhundert“ Bd. 1, S. 244 ff. geltend gemacht.
Er bemerkt hier über die Frankfurter Verhältnisse: „Daß . . .
ein einigermaßen bedeutender stehender Großhandel bestanden
habe, muß erst noch bewiesen werden.“ Als ich sodann
in meiner 1892 veröffentlichten Schrift „Der Ursprung der
deutschen Stadtverfassung“ mich gegen die in der Martktrechtstheorie
liegende Überschätzung des Kaufmannsstandes aussprach,
glaubte ich den Zustand des Mittelalters in folgender Weise
angeben zu müssen (S. 50): „Von einem Stande der Großkaufleute
kann selbstverständlich nur in den namhafteren Städten
die Rede sein. Jm übrigen sind die Kaufleute vornehmlich
Krämer und Tuchhändler (Gewandschneider).“ Bald darauf
richtete wiederum Bücher in seiner „Entstehung der Volkswirtischaft“
S. 47 (vgl. auch S. 56 und 237) seinen Spott gegen
die Auffassung, welche „die zahllosen Städte von Köln und Augsburg
bis Medebach und Radolfzell mit Kaufleuten im modernen
Sinne, also einem berufsmäßig entwickelten Stande von Händlern
bevölkert, die man sich in der Regel noch als Großhändler
vorzustellen pflegt.!) In meinem Buch ,Das ältere deutsche
vb man das mittelalterliche Köln als Großhandelsstadt bezeichnen
darf: einmal weil man fragt, ob der Handel oder ob das Gewerbe
in ihr eine bedeutendere Rolle gespielt hat, sodann wegen des strittigen
Verhältnisses zwischen Groß- und Kleinhandel. Jahrbücher f.
tstenztr 11.63 Anm. 3. Zu Steinhausens Buch vgl. Al. Schulte,
H. Z. 86, S. j
1) Hierzu im Widerspruch steht Bücher, Enlst. d. Volksw. 3. Aufl.
S. 148 Aam. 1 (5. u. 10. Aufl. S. 126 Anm. 25).
v. Below, Wirtschaftsgeschichte 2. Aufl
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