I. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie.
bei den Afghanen, bei den Hochschotten und anderen Völtern.
Besonders die Analogie mit. den Afghanen ist ihm wertvoll
(die übrigens schon Wilken im Jahre 1818 mit den alten Deutschen
verglichen hatte). Seine Äußerungen sind in methodologischer
Hinsicht sehr interessant. Er erklärt: er wolle ,die Richtigkeit
des Bildes, da es... aus deutsch en Nachrichten nur
erraten, aber nicht hergestellt werden tann, durch einen Blick
in das Ausland erhärten“. Nach seiner Meinung liefert also
der Blick auf die fremd en Verhältnisse erst die rechte Sicherheit
des Urteils, und zwar auch wirklich ein sicheres Urteil.
JIm Vordergrund steht für Sybel nicht die Rekonstruktion
der agrarischen Verhältnisse, sondern die Frage des Geschlechterstaates.
Aber beides hängt nach seiner Anschauung miteinander
zusammen.
Einen fast ebenso starken Gebrauch wie Sybel macht von
der Analogie G. L. v. Maurer in seiner 1854 erschienenen „Einleitung
zur Geschichte der Mark-, Hof-, Dorf- und Stadtverfassung“.
Er verweist auf slavische, albanesische, ungarische,
auch auf asiatische, afrikanische, amerikanische Zustände. Sie
dienen wiederum dazu, sein Urteil zu bekräftigen, daß die alten
Deutschen Gemeineigentum am Ackerlande mit periodischer
Verteilung desselben gehabt haben.
Maurer verweist u. a. auch auf die eigentümliche Einrichtung
der sogenannten Gehöferschaften in verschiedenen Kreisen des
Regierungsbezirkes Trier. In diesen gab es zu seiner Zeit und
gibt es noch heute Genossenschaften ~ eben die sogenannten
Gehöferschasten ~, welche das Ackerland gemeinsam haben
und nach einem bestimmten Turnus unter die Mitglieder zur
Nutung verteilen. Maurer sieht in den Gehöferschaften ohne
weiteres Reste einer Einrichtung, welche ursprünglich in Deutschland
allgemein verbreitet gewesen Fei.
Es sind übrigens nur kurze Bemerkungen, die Maurer den
Trierer Gehöferschaften widmet. Der eigentliche Entdecker
derselben für die Wissenschaft ist Georg Hanssen. Jm Jahre
1863 veröffentlichte er in den Abhandlungen der Berliner
Akademie eine eingehende Untersuchung über die „Gehöfer-