Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

D.
1. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie. .
1 M
: - t I
Über das Agrarwesen der alten Germanen haben jEpon S
unmittelbaren Quellen hauptsächlich nur die Berichte At. Ki »
und Tacitus, und ihre Interpretation ist schwierig, so daß Me- ie
Übereinstimmung der Auffassung erzielt worden ist. Man hat
nun zur Aushilfe vielerlei Analogien herangezogen. Unter
deren Verwertung hat man feststellen zu können geglaubt, daß
die alten Germanen Gemeineigentum am Ackerland gehabt
haben. Indem man aber immer neue Analogien entdeckte,
veränderte sich der Standpunkt. Jm Vordergrund standen jett
nicht mehr die Berichte des Cäsar und Tacitus, welche zu interpretieren
 seien, sondern die vielen Fälle, die man von Haus
aus nur als Analogien zu den von jenen berichteten Tatsachen
aufgesucht hatte. Und aus ihnen zog man nunmehr den Schluß,
daß das Gemeineigentum am Ackerlande eine allgemeine
Erscheinung sei.
Die Geschichte der Theorie von dem Gemeineigentum am
Ackerland als einer allgemeinen Erscheinung wollen wir uns
im folgenden in Kürze vorführen.
Als Georg Hanssen in den Jahren 1835 und 1837 Aufsätße
 über das Agrarwessen der deutschen Vorzeit veröffentlichte,
die für die Auffassung der folgenden Generationen maßgebend
gewesen sind, stützte er seine Beweisführung keineswegs bloß
auf die unmittelbaren Nachrichten über die alten Deutschen,
sondern verwertete vor allem auch die Analogie späterer dänischer
Verhältnisse. Auf diesem Wege gewann er die Anschauung
vom Gemeineigentum am Ackerlande und der periodischen Verlosung
 der Ackerteile. Hanssen ging in der Anwendung der Analogie
 noch nicht gerade weit: es war doch auch ein germanischer
Stamm, dessen Verhältnisse ihm das wichtigste Beweismaterial
lieferten.
Im Jahre 1844 erschien Heinrich v. Sybels Buch „Die
Entstehung des deutschen Königtums“. Sybel, der in jenen
Jahren sich aufs eifrigste mit kulturgeschichtlichen Problemen
beschäftigte, bietet in dieser Darstellung die weitesten kulturgeschichtlichen
 Ausblicke. Er beruft sich auf die Verhältnisse
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.