VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. .. Ö
blieb!). Man müßte also noch den damals bestehenden verhältnismäßigen
Mangel an Kapital und die Schwierigkeiten des
Verkehrs, die der Ausbildung großer Betriebe entgegenstanden,
hinzunehmen. Is indessen der Wirtschaftsgeist einer Zeit lediglich
in Einrichtungen und Verhältnissen ausgedrückt oder ein Abbild
von ihnen? Die Sache ist doch nicht damit gegeben, daß
Schranken vorhanden sind oder fehlen.
Die Fragen, die sich bei unserer Kontroverse erheben, sind
folgende. Unterscheidet sich das Gewinnstreben, das sich in der
Zeit der kapitalistischen Unternehmungen beobachten läßt, wesentlich
von dem des Mittelalters? Ist es ein wesentlich gesteigerter
Erwerbstrieb? Bewegt sich der Erwerbstrieb etwa nach einer
bestimmten Richtung hin? Wodurch ferner wird der Erwerbstrieb
gesteigert? Durch den Fortfall der mittelalterlichen Schranken,
der gesetzlichen Einrichtungen, die die Bildung von Großbetrieben
hinderten? Durch die allmähliche Anhäufung von
Kapital? Durch die Erleichterung des Verkehrs? Durch die technischen
Erfindungen, die die Schaffung von ganz großen Betrieben
erleichtern und befördern?
Ohne Zweifel tritt das Gewinnstreben zur Zeit der kapitalistischen,
d. h. der großen Unternehmungen rastloser auf. Das
Laufen und Rennen steigert sich bis zur Atemlosigkeit. Aber es
ist doch nur ein quantitativer, kein qualitativer Unterschied, mit
dem wir es hier zu tun haben. Es ist nur eine Steigerung, nicht
eine ganz neue Erscheinung. Was sodann die Ursachen der Steigerung
betrifft, so kommen die wirtschaftlich-technischen Verhältnisse
ganz gewiß in Betracht. Bei den Griechen waren
Willen und Fähigkeit für den Kapitalismus vorhanden?). Auch
hinderten gesetzliche Einrichtungen ihn nicht in dem Maß wie im
Mittelalter. Dennoch fehlt er: weil die Technik des Verkehrs
und die Technik der Arbeit nicht genügend entwickelt waren,
auch die Anhäufung von Kapital noch geringer. Jn der Technik
andererseits kamen späteres Mittelalter und neuere Jahrhunderte
1) Vgl. oben S. 209 u. 410 und meine Besprechung von Sombarts
„Kapitalismus“, 2. Aufl. im Weltwirtsch. Archiv 1917, S. 250 u. 252
2) Val. Siawart, a. a. O:
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