Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. .
schaftsstufen in einen chronologischen Zusammenhang einzureihen,
nicht widerstanden und so eine Darstellung geliefert, die sehr
sichtbar auf der Voraussetzung eines zeitlichen Verhältnisses beruht!).
 Es muß anerkannt werden, daß Sombart jene Unterscheidung
 schärfer durchführt. In bezug auf ,„kausale Gesetze“
äußert er sich mit großer Zurückhaltung. Obwohl er die kausale
Erklärung der sozialen Erscheinungen ganz und gar als sein Ziel
bezeichnet, so hütet er sich doch, bestimmte ,kausale Gesetze" namhaft
 zu machen. Wie schon bemerkt, weiß er sehr gut, daß das
soziale Geschehen auf Motive lebendiger Menschen zurückgeht,
und hat auch das klare Bewußtsein des Gegensatzes, in dem er
in dieser Hinsicht zu Karl Marx steht. Es ist sehr bemerkenswert,
daß dessen begabtester Lobredner in Deutschland die Grundlagen
des Marxismus bestreitet.
Indessen Sombart wird durch seine an der Naturwisssenschaft
orientierte Logik verhindert, die rechten Konsequenzen aus seiner
richtigen Anschauung zu ziehen. Sie gestattet ihm, eine so starke
Vereinfachung in der Würdigung der psychischen Motive durchzuführen,
 daß er schließlich doch wieder der Anschauung von den
„geseßmäßigen Regelmäßigkeiten“?) und dem Marxismus nahekommt?),
 Unperssönlichee an die Stelle von Persönlichem setz.
Er bezeichnet es als die Aufgabe der Wisssenschaft, aus der Menge
und Mannigfaltigkeit der Erscheinungen das Wesentliche zu abstrahieren,
 das Zufällige auszuscheiden. Er will die prävalieren-1)
 S. oben S. 171 f. und H. Z. 90, 104. Vgl. hierzu auch die Jenenser
 Diss. von Scheller, Holl und Markt im 12. und 13. Jahrhundert.
?) Vgl. Bd. 1, 125: Die Handwerkergenossenschaften sind „eine
allgemeine, auf einer bestimmten Stufe wirtschaftlicher Entwicklung
auftretende Erscheinung.“ ~ S. 135 bemerkt Sombart übrigens im
wesentlichen richtig: „Es ist immer nur die notwendige Bedingung,
die wir ermitteln, nicht die zureichende Ursache.“ Val. dazu mein
Territorium und Stadt S. 39.
3) Es mag sogleich hier darauf hingewiesen werden, daß im Widerpruch
 zu solchen Anschauungen doch das steht, was Sombart I, 656 ff.
über die Grenzen der statistischen Methode sagt. Er macht damit der
historischen Methode (Betonung und Würdigung des Einzelnen) ein
wichtiges Zugeständnis. Vgl. auch V.j.schr. f. Soz.- uU. W G. I. 328.

43"
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.