Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 44.7
berichtigen. Aber Sombart gegenüber müsssen wir andrerseits bemerken,
 daß die von ihm vorgeschlagenen Kategorien sich ebenfalls
 nicht auf bestimmte Perioden beschränken. Die Termini,
durch die er die Bücherschen Bezeichnungen verdrängen will,
sind die „Bedarfsdeckungswirtschaft“, bei der das Quantum und
Quale die durch den Bedarf fest gegebene Größe ist, und die
„Erwerbswirtschaft“, die nicht den unmittelbaren Bedarf im
Auge hat, bei der die Direktive für die Art der Produktion nur
die Möglichkeit ist, durch Verwertung der Produkte Gewinn zu
erzielen. Bei diesen Kategorien machen wir wiederum die Beobachtung,
 daß die erstere sich keineswegs auf das Mittelalter,
die zweite sich keineswegs auf die Neuzeit beschränkt. Die Wirtschasten,
 in denen im Mittelalter Tuche für den Fernabsatz hergestellt
 werden, fallen doch unter den Begriff der Erwerbswirtschaften.
 Aber wir haben uns über diese Unterschiede ja schon
ausführlich geäußert. Sombart (S. 55) rühmt als Vorzug seiner
Systematik, daß sie sich nicht wie die andern auf äußerliche
Merkmale stüttt, sondern den verschiedenartigen Geist, der jeweils
 in den wirtschaftlichen Vorgängen obwaltet, zum Kriterium
ihrer Unterschiedlichkeit macht. Es ist sehr interessant, daß der
Marx-Verehrer sich durch diese Berücksichtigung des psychologischen
 Moments in entschiedenen Gegensatz zum Marxismus
setzt (Obwohl er, wie schon angedeutet, ihm durch die einseitige
Betonung der massenpsychologischen Erscheinungen doch wieder
nahe kommt). Wir wollen diesen Gesichtspunkt wahrlich nicht
unterschätzen. Indessen gerade eine konsequente Verfolgung desselben
 führt uns zu einer andern Auffassung, als sie Sombart hat.
Gehen wir von Krupp aus, den er (S. 54) einen „echten Kundenproduzenten“
 nennt. Den Unterschied gegenüber den mittelalterlichen
 Gewerbetreibenden sieht Sombart hier darin, daß
Krupp die Ausdehnung seiner Wirtschaft bis ins Unermeßliche
zu steigern sucht. Aber fehlte denn den mittelalterlichen Handwerkern
 sämtlich ein solches Streben? Sombart denkt sich deren
Stimmung zu homogen. Daß viele solche Wünsche tatsächlich gehabt
 haben, dürfen wir mit Sicherheit aus den immer erneuten
Verboten der Erweiterung ihrer Wirtschcft schließen. In diesen
            
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