Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

4 56 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
„Wohlstand und Ansehen, Bildung und innere Tüchtigkeit,
bürgerliche Tugend und endlich die Herrschaft in den Städten,
das alles errang der Handwerkerstand"“" ~ sagt Gierke (S. 358
und 391) ~ „durch das Mittel freier genossenschaftlicher Vereinigung,
 durch die zünftige Organisation." ~ „Die Fesseln, welche
dem Einzelnen auferlegt wurden, konnten erst bei verändertem
Geist und veränderten Verhältnissen als solche erscheinen."“"
„Freilich mußte die Gesamtproduktion hierunter leiden: aber das
Einzelprodukt gewann. Der Einzelne wurde gehindert an jener
wirtschaftlichen Machtentfaltung, die ihn heute oft Königen gleichstellt:
 aber eine behagliche Wohlhabenheit aller hob den Stand
der Gewerbetreibenden als Gesamtheit zu Ansehen, Bildung und
Macht. Die Veredlung des Handwerks zur Kunst, die wir am
Mittelalter bewundern, die nie zurückgekehrte Blüte des Handwerkerstandes
 in den Städten: sie wären undenkbar gewesen ohne
die genosssenschaftliche Organisation der Arbeit und ihre soziale
und materielle Gleichstellung mit dem Besitzer."
Hören wir dagegen Sombart (S. 80): „Die landesübliche
Vorstellung von einer Masse ökonomisch gleichgestellter Gewerbetreibender
 kann, soviel sich erkennen läßt, für keine Zeit, in der
überhaupt das Handwerk schon zu größerer Entfaltung gekommen
war, auf Richtigkeit Anspruch machen. Zu allen Zeiten hat es
... innerhalb des einzelnen Handwerks Meister gegeben, die ihre
Kollegen an Reichtum, wenn das Wort hier anw endbar ist, turmhoch
 überragten." S. 84: „Man kann eine handwerksmäßige
Organisation als eine solche bezeichnen, in der die Mittelmäßig
keit das die Produktion regelnde Prinzip ist." S. 85: „Die Masse
der Handwerker hat niemals ein höheres künstlerisches Niveau
eingenommen . .. Das Handwerk ist seinem innersten Wesen
nach der Tod des Kunstgewerbes." S. 140: „Es gibt genug
Anzeichen, die auf einen ungewöhnlich niedrigen Produktionsgrad
 der gewerblichen Technik jener Jahrhunderte schließen lassen.“
Die Verschiedenheit des Urteils der beiden Autoren erklärt
sich zum Teil aus der Verschiedenheit ihres Ausgangspunttes.
Gierke schrieb seine Darstellung von dem Bewußtsein aus, daß
„eine der festesten Bürgschaften für des deutschen Bolkes Zukunft

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