Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

(über den Begriff der Territorialwirtschaft). . 
Es gehört nicht bloß hierher, mag aber in diesem Zusammen 
hang erwähnt werden, daß die Regierung die Hausierer in 
beschränkter Weise zuläßt. So werden die „Schotten“ in Preußen 
in stadtarmen Gegenden wie Masuren zugelassen!). 
Die landesherrliche Gewerbe- und Handelspolitik gipfelt 
im Merkantilismus. Sein Verhältnis zur mittelalterlichen 
Stadtwirtschaftspolitik gibt auch den Maßstab für die Beant- 
wortung der Frage, inwiefern die landesherrliche Wirtschafts 
politik des 18. Jahrhunderts über sie hinausgekommen ist?). 
Gemeinsam ist dem Merkantilismus und der mittelalter- 
lichen Stadtwirtschaftsvolitik der scharfe Abschluß nach außen, 
der Gedanke der Autarkie des eigenen Gemeinwesens. Gemein 
sam ist beiden die Zurückdrängung der Interessen des platten 
tomplizierten Vorgängen darzulegen, da auch schon die Erörterung 
der Punkte, die wir in den Vordergrund gestellt haben, ein Urteil 
darüber möglich macht, ob man von einer besondern VPeriode der 
Territorialwirtschaft sprechen darf. 
1) S. Rachel a. a. O. S. 988 Anm. 2. 
2) Die neuere Diskussion über den deutschen Merkantilismus 
knüpft an den oben S. 153 erwähnten Aufsatz Schmollers von 1884 an. 
Zusammenfassend spricht O. Hinte in seinen „Hist. u. polit. Aufsätzen“ 
(vgl.2, S.138 ff.) über den preußischen Merkantilismus. S. ferner Hinte, 
Die Hohenzollern und ihr Werk S. 391 f. Nicht recht klar und auch 
sachlich nicht zutreffend ist Schmollers Wort, der Merkantilismus 
sei „Staatsbildung“. Eher läßt es sich hören, wenn Hintze das Merkan- 
tilsystem als die „Begleiterscheinung“ der innern Konsolidierung der 
modernen Staaten bezeichnet. Nur hat man sich gegenwärtig zu halten, 
daß es eine von mehreren Begleiterscheinungen ist. Zur Literatur 
vgl. ferner Gothein, Annalen des hist. V. f. d. Niederrhein 58, S. 198 ff. 
und oben S. 565 Anm. 4. Über den österreichischen Merkantilismus 
s. H. Ritter v. Srbik, Der staatliche Exporthandel Österreichs v. Leo- 
pold I. bis Maria Theresia (1907); D.L.Z. 1911, Nr. 9; K. Pribram, 
Gesch. der österreichischen Gewerbepolitik v. 1740–1860 (1907); 
A. Fischel, Studien zur österreichischen Reichsgeschichte (1906: üb. 
die Pläne des Christian Jul. v. Schierendorff, 1661—1726, als frühen 
österreichischen Merkantilisten). S. auch Zielenziger, Die alten deut- 
schen Kameralisten (1914), S. 39, 42 ff. Über die Abfolge Stadtwirt- 
schaft, Merkantilismus, Nationalwirtschaft s. m. „Kriegs- und Frie- 
densfragen“ (vorher z. T. in den Jahrbüchern f. Nat.-Ök.) S. 3 ff. 
in einer Kritik von Mitscherlichs „Unionwirtschaft." 
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