Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VIII.: Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
schon die Beobachtung gemacht haben (S. 528), daß teilweise erst
im 16. Jahrh. der Stadtwirtschaftsgedanke zu schärfster Herrschaft
 gelangt. Man darf zweifeln, ob man für das 16. Jahrh.
bei der einen oder andern Stadt eine Wiederhersstellung der
strengen Stadtwirtschaft oder ihre erste strenge Herrschaft behauptensoll.
 In Basel stellt die „neue Reformation“ von 15261)
das Ergebnis des Zunftsiegs, sich als Ordnung einer völlig im
handwerkerlichen Sinn gestalteten Stadtwirtschaft dar, die eben
gerade auch im wirtschaftlichen Sinn die neuen Formen ablehnte.
Wir merken hier an, daß Basel als Reichsstadt den Einfluß einer
übergeordneten Landesregierung nicht erfuhr.
Neben der Auseinandersetung des Territoriums mit den
Städten kommt die allgemeine Lage Deutschlands in Betracht,
die Abhängigkeit der Wirtschaftspolitik von den allgemeinen
wirtschaftlichen Verhältnissen. In der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts ging Deutschland wirtschaftlich rückwärts oder
nicht vorwärts?2), in der Zeit des dreißigjährigen Kriegs weit
zurück. Diese Periode war der weitern Ausbreitung der neuen
Betriebsformen natürlich nicht günstig. Andererseits mußten
hinterher, wie schon bemerkt, die landesherrlichen Regierungen,
um die Konkurrenz des Auslands nicht übermächtig werden
zu lassen, um so mehr darauf bedacht sein, die wirksamsten Formen
 zu begünstigen, und sie haben das ja auch getan.
Als Hindernis für das Vorgehen eines einzelnen Landesherrn
 haben wir noch zu verzeichnen, daß Maßnahmen, die er
isoliert traf, der rechten Wirkung entbehrten. Daraus erklärt
es sich wesentlich, daß die Neuerungen Karl Ludwigs von der
Pfalz bald wieder rückgängig wurden: die Waren aus dem zunkftfreien
 Mannheim trugen nicht den Zunftstempel und wurden
darum weniger geschätt.
Mit den hier erörterten Kategorien ist das Problem der
1) Wackernagel, Gesch. d. Stadt Basel II, 1, S. 533 ff.
2) Kaphahn, V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 15, S. 252 ff. macht geltend,
 daß in der zweiten Hälfte des 16. Jh. das deutsche Wirtschaftsleben
 nicht an sich, aber im Vergleich zu dem seiner nordwestlichen
Nachbarn verkümmierte.

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