Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

A44 II. Die Haupttatsachen der älteren deutschen Agrargeschichte. 
hufen (,flämischen“) an, die in Altdeutschland in größerm Aus- 
maß (zur Entschädigung für die Arbeit der Urbarmachung) den 
Ansiedlern im Waldgebirge und in den Niederungen zugeteilt 
worden waren und deren Formen im Osten auch da festgehalten 
wurden, wo äußere Verhältnisse es nicht unbedingt notwendig 
gemacht hätten. 
Widmen wir hier wiederum dem Anteil der Grundherren 
und der Bauern bei dem Ausbau des Landes ein Wort. Die 
kleinern Grundherren haben ohne Zweifel die Begründung der 
neuen Ortschaft, die Ansiedlung der Kolonisten selbst besorgt. 
Die größeren übertrugen das Geschäft einem Vermittler (,Loca- 
tor“). Zumal die Landesherren bedienten Jich solcher Ver- 
mittler. Neben der Arbeit dieser Stellen werden die Über- 
lieferungen, die der deutsche Bauer aus der altdeutschen Heimat 
mitbrachte, für den Erfolg der Kolonisation hoch anzuschlagen 
sein: Dies gilt zumal für den sehr häufigen Fall, daß slawische 
Herren, die ihr Land in fruchtbarem Anbau sehen wollten, 
deutsche Kolonisten herbeiriefen. 
Die agrargesschichtlichen Haupttatsachen, die wir aus Alt- 
deutschland während des hohen Mittelalters zu verzeichnen 
haben, sind anderer Natur. 
Es würde zunächst das Aufkommen der deutschen Städte zu 
nennen sein, das mit der erwähnten Verdichtung der Bevölkerung 
auf dem flachen Land zusammenhängt: sie bewirkte ein engeres 
Beisammenwohnen bis zu städtischer Siedlungsweise, eine 
Teilung der Arbeit, die Zunahme berufsmäßiger Gewerbe; 
zugleich aber besteht dabei eine Wechselwirkung: die Städte 
(die auch noch auf andere Ursprünge als die allgemeine Be- 
völkerungszunahme zurückgehen) gewähren Leuten, die sich 
auf dem Land nicht mehr ausreichend ernähren oder sonst 
nicht mehr behaglich fühlen, lohnende Beschäftigung und 
Unterkunft. Die Einwanderung in die sich reicher entfalten- 
den Städte und die Abwanderung nach dem Osten sind die 
ersten Wirkungen, die die allmählich eintretende Sättigung 
im Landesanbau in Altdeutschland hervorgebracht hat. Einen 
positiven Einfluß üben die Städte auf die Landwirtschaft, in-
	        
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