Qun den Verhandlungen des Staatsrates über die Ar-
e beiterschutzggesetze im Februar 1890, an denen ich, wie
schon erwähnt worden ist, teilgenommen habe, hatte Ober-
bürgermeister Dr. Miquel sich als Berichterstatter dahin
ausgesprochen, daß man früher allgemein für Freiheit
auf gewerblichem Gebiete eingetreten sei. Jetzt liege die
Sache anders. Wir ständen jetzt in einer Periode eines
wachsenden eingreifens des Staates in
die gewerbliche Freiheit. Das sei ein starkes
Wort, aber es sei wahr. In England erstrebe man das,
was dem Staatsrat vorliege, durch starke Arbeiterorga-
nisationen. In Deutschland seien wir mehr für das ein-
greifen des Staates.
Dr. Miquel hatte es, wie er mir gesagt hat, nicht un-
gern gesehen, daß ich seine Vorschläge zur Arbeiterfrage
im Staatsrate als ungenügend bekämpft hatte. Ich hatte
ihm dadurch eine wertvolle Deckung den einflußreichen
Personen gegenüber gegeben, die ein eingreifen des Staa-
tes in dem von ihm vorgeschlagenem Umfange ablehnten.
Mein auftreten hatte bewiesen, daß es Arbeitgeber gab,
die noch weiter zu gehen bereit waren als er. Am zwei-
tem Tage der Verhandlungen hatte Dr. Miquel sich
einem der Anträge, die ich im Staatsrat gestellt hatte, in
wichtigen Teilen angeschlossen und hatte mich bei dem von
dem Kaiser und der Kaiserin dem Staatsrate gegebenem
Festessen einem seiner künftigen Kollegen im Staatsmi-
nisterium lächelnd als unseren radikalen Herrn Freese
vorgestellt. Als ich am Schlusse der Sitzungen des Staats-
rates nicht ganz zufrieden mit dem erreichten war, und
ihm das sagte, hatte er mich auf die Schulter geklopft und
gemeint: „Sie sind noch sehr jung und stürmisch. Jc<
bin es auch gewesen, noch stürmischer als Sie. Vergessen
Sie aber nicht, daß man immer den ganzen Schwarm
mitnehmen mugtz.“
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