Full text: Nationale Bodenreform

handelt, oder um behördliche Bauordnungen, oder um Gesete, 
welche ehrlichen Handwerkern die Frucht ihrer Arbeit vor 
räuberischem Spekulantentum sicher stellen, oder um die Auf- 
nahme unserer Grundsäße in die Programme sonst sich 
diametral gegenüber stehender Parteien – ich erinnere an 
Antisemiten und ethische Reformer ~ respektive um die Ein- 
räumung des ersten Platzes, anstatt des des Aschenbrödels, 
wie seitens der Sozialdemokratie geschehen, einerlei, die Bo- 
denbesitreform hat sich überall den ersten Plat erobert, um 
ihn nie wieder zu verlieren. Sogar agrarische Schriftsteller 
haben sich der Idee nicht entziehen können, wenn sie auch vor- 
läufig noch verschämt als Hypothekenversstaatlichung durch die 
Türspalte blinzelt. Wichtige Regierungmaßregeln wie die 
Rentengüter und die polnischen Ansiedlunggesete erinnern 
daran, resp. enthalten ein Samenkorn des großen Prinzips 
in sich. 
Aber damit war auch die Aufgabe des Bundes erfüllt. Wie 
sich die Anticornlaw Liga auflöste, nachdem sie England zum 
Freihandel bekehrt hatte, kann der Bund für Bodenreform 
seine erste Phase als beendigt betrachten, nachdem er es dahin 
gebracht hatte, daß mächtigere Hände das hingelegte Schwert 
aufgenommen haben. 
Der Bund für Bod enbs it re f o r m ift tot; es 
lebe d er d eut s< e Volk s b un d! 
Der Moment ist gekommen, in dem man von der Verbrei- 
tung einer großen Wahrheit zu ihrer praktischen Verwertung 
übergehen muß. 
Ich selbst habe schon seit Jahren eingesehen, daß es Festun- 
gen gibt, die man vergeblich mit einem Frontangriff einzu- 
nehmen sucht. Die direkte Durchführung unserer Forderung 
mußte uns bald als unmöglich erscheinen. Hierzu gehört 
parlamentarische Macht und das einzige bodenreformerische 
Mitglied des Reichstages hat unter Erkenntnis des eitlen 
Wahnes weichen müssen, daß die politische Phrase denn doch 
noch eine große Macht besitzt, und daß es dem Bunde bis jetzt 
noch nicht möglich ist, dem Volke den Unterschied zwischen wah- 
rem und scheinbarem Freisinn klarzumachen, wenigstens nicht 
dem immer kleiner werdendem Teil des Volkes, der sich noch 
frei von einer anderen Sorte des Phrassentums gehalten hat, 
der Marxistischen. Auf dieser, der politischen, der Stimmurn- 
seite ist die Festung vorerst nicht einzunehmen. Aber es gibt 
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