Full text: Nationale Bodenreform

teilen frei gehalten. Sein eintreten für soziale Refor- 
men ist aber der damals herrschenden Freihandelschule 
gegenüber, die davon wenig oder gar nichts wissen wollte, 
eine befreiende Tat gewesen, und das Aufsehen, das sein 
Buch erregt hat, ist gerechtfertigt gewesen. In den letzten 
Abschnitten des Buches hat Lange seine Ansichten über 
die Frage des Eigentums, des Erbrechts und der Boden- 
werte ausgesprochen. Er hat die schwindelhafte Höhe 
der Spekulationen in Mietkasernen und Baustellen in 
Berlin beklagt, wo damals ein zehntel der Bevölkerung 
in Kellern wohnte (S. 192). Er hat auf den kolosssalen 
Einfluß hingewiesen, den das Eigentum und besonders 
das Recht an Grund und Boden auf das Verhältnis 
zwischen Kapital und Arbeit ausübe (S. 242). Lange 
war der Ansicht, daß ein einzelnes Recht gegen das allge- 
meine Rechtbewußtsein nicht fortbestehen könne (S. 283). 
Er hat aber vor leichtfertigen Lösungversuchen gewarnt: 
Auf dem Papier ließen sich alle sozialen Probleme lösen 
(S. 294). Es könnte sich nur darum handeln, gewisse Ge- 
biete des sozialen Lebens der privatrechtlichen Verfügung 
zu entziehen und dem öf f ent l i h em R e < t zu un- 
terstellen (S. 296). 
fs folgt eine kurze Erörterung der Grundrente 
worunter man nach ihm zuerst eine Abgabe an den 
Lehnherrn für die Benutzung des Bodens verstanden hat. 
Später hat man alles sso genannt, was ein Pächter für die 
Benutzung eines Stücks Land an den Eigentümer zahlen 
mußte. Bisweilen auch nicht ablösbare Abgaben, die 
der Eigentümer an irgend einen dritten zahlen mußte 
(S. 298). Als die Wissenschaft angefangen hat, sich mit 
der Grundrente zu beschäftigen, hat man erklärt, daß sie 
ein Entgelt für die ur spr ün g lichen Pro duktiv- 
kräfte d e s B o d en s sei. Durch die britische Na- 
tionalökonomie, hauptsächlich durch David Ricardo 
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