Ursprünglich und unerschöpflich sind die Tragfähigkeit,
die im Boden wirkenden Vegetationkräfte und seine phy-
sikalischen Eigenschaften. Die Höhe der Grundrente soll
sich aus den Unterschieden in den Erträgen verschiedener
gleich großer Grunöstücke ergeben. Diese Theorie wird
als Lehre von der Differenz ial rente ihrem we-
sentlichem Inhalt nach noch heute anerkannt. In einigen
Punkten ist sie später ergänzt worden. Der amerikanische
Nationalökonom Charles C are y hat behauptet, daß,
nicht wie Ricardo angenommen hatte, zuerst der beste und
dann der geringere Boden bearbeitet worden sei und daß
sich daraus als Differenz der Erträge die Grundrente ge-
bildet habe. Der Vorgang habe sich vielmehr umgekehrt
abgespielt, weil die ersten Geräte für den schweren Boden
nicht ausgereicht hatten. Das kann richtig ssein, trifft
aber nicht den Kern der Frage, denn der Grund dafür,
daß Differenzen entstanden sind, liegt nicht in der Reihen-
folge der Besiedlung, sondern darin, daß gleichzeitig Bo-
denflächen von verschiedener Ertragfähigkeit neben ein-
ander vorhanden gewesen sind.
In Deutsschland hat J. H. von Thün en, gest. 1850,
geltend gemacht, daß in der Praxis auch die untersste noch
angebaute Bodenklasse noch Grundrente und nicht bloß
Kapitalgewinne abwerfe, was nach Ricardos Lehre nicht
der Fall sein dürfe. Er hat außerdem die L a g e als min-
destens so wichtig wie die Versschiedenheit des Bodens
bezeichnet und hat die Lehren Ricardos in diesen Punk-
ten ergänzt. Adolf Wagner hat sich seiner Meinung
angeschlossen. Die Grundrente ist nach ihm ein sich aus
Differenzen der Produktionkosten ergebendes und nur
kraft des Eigentums bezogenes Differenzeinkommen. Das
Grundrenten Problem in der Gestalt, die es durch Ri-
cardo und von Thünen erlangt hat, ist für ihn ein Pro-
blem der Verteilung (Grundlegung gs 308-312).
Als letzten und entscheidenden Grund dafür, daß über-
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