Full text: Nationale Bodenreform

dankens dem Reiche nicht die erwarteten Erträge geliefert. 
Es ist schon nach zwei Jahren für das Reich außer Kraft 
gesetzt worden. Für manche Gemeinden hat das Gesetz 
noch die unerwünschte Folge gehabt, daß ihre besseren 
Steuerordnungen dadurch beseitigt worden waren. 
Y. Ursache des Mißerfolges sind die zahlreichen Ein- 
schränkungen und vor allem die Abzüge anzusehen, 
die von den Besitzern von der Steuer gemacht werden 
konnten. Man hat dem Gesetze eine weit zurückgreifende 
Wirkung geben wollen. Dafür hatte man Gegenkon- 
zessionen machen müssen, die den Ertrag so geschmälert 
haben, daß er oft nicht die Erhebungkosten gedeckt hat. 
Ein Teil der Schuld fällt auf die Bodenreformer. 
Pohlman hat es mit Recht anerkannt. Er hat gesagt: 
Einer der größten Mängel des Gesetzes war seine rück- 
wirkende Kraft, die man aus fiskalischen Gründen in das 
Gesetz hinein gebracht hatte, und gegen welche wir Bodenre- 
former nicht genügend energisch protestieren konnten, weil das 
Gesetz sonst überhaupt gefährdet worden wäre. Dadurch wur- 
den (wenn man nicht zu allzugroßen Härten kommen wollte) 
alle die Abzüge und Verworrenheiten nötig, die den Fachleuten 
das Gesetz verleideten.*) 
Ein anderer großer Fehler ist gewesen, daß man im 
§ 29 des Gesetzes den Käufer dafür verantwortlich gemacht 
hatte, daß der Verkäufer die Steuer bezahlt. Die Boden- 
reformer haben, um.das Gesetz durchzubringen, auch diese 
bedenkliche Vorschrift zugelassen und in ihrer nachteiligen 
Wirkung für gutgläubige Erwerber von Grundsîtücken 
nicht erkannt. 
*) Jahrbuch der Bodenreform 1918 S. 20. 
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