Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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Der  Bürgerstolz
Ordensgemeinschaft  zur  Pflege  der  sittlichen  Kräfte  schaffender  Männer.
Eine  Anregung.
Z weck  der  Gesellschaft  ist  die  Sammlung  solcher  Staatsbürger,  denen  der  Gelderwerb ­
  nicht  Endzweck  ihrer  Arbeit  ist,  sondern  das  sittliche  Bedürfnis,  Geld  ohne
rücksichtslose  Ellbogenfreiheit  zu  erwerben,  um  dem  Gemeinwohl  zu  dienen.
Die  Gesellschaft  verlangt  von  ihren  Mitgliedern,  dass  ihnen  die  Anerkennung  ihrer
Mitbürger  für  ihre  treue  Arbeit  und  ihre  Ernennung  zu  Meistern  höher  steht  als  die
käufliche  Erwerbung  von  Ehrungen  durch  Geldopfer.
Nicht  der  Eifolg,  ein  grosses  Vermögen  erworben  zu  haben,  soll  Befriedigung  gewähren, ­
  sondern  das  Bewusstsein,  das  Geld  erworben  zu  haben,  ohne  dass  berechtigte
Beschwerden  gegen  den  Erwerber  erhoben  werden  können,  er  habe  die  Not-  oder
Zwangslage  anderer  ausgenutzt,  er  habe  Handlungen  begangen,  um  Vermögensvorteile
sich  zu  verschaffen,  die  ein  Mann  von  sittlicher  Treue,  Ehrlichkeit  und  Wahrhaftigkeit
nicht  vor  sich  selbst  und  seinem  Orden  verantworten  könnte.
Die  Mitglieder  haben  die  sittliche  Pflicht,  Konkurrenten,  die  das  Feld  vor  ihnen
räumen  müssen,  nicht  ihrem  Schicksal  zu  überlassen,  sondern  nach  ihnen  zu  sehen,  ihnen
zu  helfen,  sich  zu  bemühen,  ihnen  eine  andere,  angemessenere  Existenz  zu  schaffen,  wenn
es  notwendig  ist,  Angestellte  und  Arbeiter,  die  sie  entlassen,  vor  dem  Elend  zu  bewahren,
sich  in  ihren  Dienst  zu  stellen,  um  ihnen  zu  einem  anderen  Unterkommen  zu  verhelfen,
soweit  es  möglich  ist.
Die  Gesellschaft  arbeitet  in  voller  Oeffentlichkeit,  die  Mitgliederlisten  sind
öffentlich,  die  Aufnahmen  und  Bewerber  werden  vor  der  Aufnahme  erst  öffentlich
bekannt  gegeben.
Die  Gesellschaft  sammelt  die  Mitglieder  in  Arbeitssitzungen.  Sie  gibt  durch  Vorträge
über  staatsbürgerliche  Erziehung  Anweisungen  für  das  praktische  Leben,  die  den
Daseinskampf  in  sittlichen  Bahnen  erhalten  sollen,  sie  bemüht  sich,  die  tiefsten
Charakterkräfte  für  das  Arbeitsleben  zu  erwecken.  Die  Gesellschaft  errichtet  Beratungsstellen, ­
  die  den  Mitgliedern  mit  Rat  und  Tat  zur  Seite  stehen,  wenn  es  gilt  den  Kampf
gegen  Unehrlichkeit  und  Unlauterkeit  zu  führen  und  sie  vor  Uebervorteilung  zu  schützen
gegen  die  Macht  wirtschaftlich  Stärkerer.
Der  Orden  errichtet  Ehrengerichte  und  Schiedsgerichte,  vor  denen  die  Ordensmitglieder ­
  zu  erscheinen  haben,  wenn  Streitigkeiten  unter  ihnen  zu  schlichten  sind  oder
Mitglieder  gegen  ihre  höchste  Pflicht,  ihren  guten  Namen  unter  allen  Umständen
rein  zu  erhalten,  verstossen  haben.
Für  die  Aufnahme  sind  weder  das  religiöse  Bekenntnis,  noch  die  politische  Stellung
von  Einfluss,  wohl  aber  der  untadelige  gute  Ruf  und  Bürgen.
Aufgenommen  werden  Männer  in  selbständigen  und  verantwortlichen  Stellungen,  die
aktiv  in  den  Erwerbskampf  eingreifen,  Handwerker,  Industrielle,  Kaufleute,  Künstler,
Gelehrte,  Aerzte,  Anwälte,  Angestellte  in  leitenden  Stellungen,  Meister  und  auch  in  das
Privatleben  zurückgetretene  Personen.
Da  die  Mitglieder  Männer  ohne  Makel  sein  sollen,  so  ist  ihre  Aufnahme  an  eine
öffentliche  Ausschreibung  gebunden.  In  einer  Aufnahmekommission,  die  zu  strengster
Verschwiegenheit  verpflichtet  ist,  werden  die  Einwendungen  gegen  die  Aufnahmen  geprüft.
Ein  Staat  kann  nur  auf  einer  sittlichen  Grundlage  ruhen,  wenn  diejenigen  Bürger,
die  das  Erwerbsleben  beeinflussen,  sittlich  auf  der  Höhe  stehen  und  sich  ihrer  Verantwortung ­
  gegenüber  ihren  Mitmenschen  bewusst  sind,  und  die  Regierung  eines  Staates
nur  auf  Grund  des  sittlichen  Wertes  und  nicht  auf  Grund  blosser  Geldopfer  ohne
Rücksicht  auf  ihren  Ursprung,  die  Bürger  ehrt.
Die  sittliche  Hebung  eines  Volkes  muss  von  oben  nach  unten,  nicht  von  unten
nach  oben  erfolgen,  denn  das  Volk  braucht  Leuchttürme  und  Leuchtfeuer,  Vorbilder,
die  ihm  den  Weg  weisen.
            
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