umschlossen und daß die Bevölkerung in diesen „Mietkasernen“
vollkommen vom Grund und Boden abgesperrt
war, ist dagegen leider allzu berechtigt gewesen:
„nirgends konnte ein kleiner Garten angelegt werden, nirgends
war Platz, um Spielpläße für die Jugend zu schaffen
(S. 3). Diese Zusammendrängung der Bevölkerung in ungesunden,
teilweise minderwertigen, teuren und überfüllten
Wohnungen, noch dazu in Mietkasernen, hat furchtbare Folgen
gehabt.“ (S. 4.)
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Volksgesundheit
schwer dadurch gelitten hat und daß die große Säuglingsterblichkeit
in den deutschen Großstädten mit auf
diese traurigen Wohnungpverhältnisse zurückzuführen ist.
Sie haben zur sittlichen Verrohung der Jugend und zum
Alkoholismus erheblich beigetragen:
„In den Massen, die sich so für Lebenszeit eingepfercht
sahen in luft- und lichtlose Mietkasernen ohne Gärten, die
täglich mit ansehen mußten, wie ihre Kinder an Leib und
Seele verkümmerten, konnte kein Gemeinschaftgesfühl,
keine Staats g e sinn u ng lebendig werden.“
(S. 5.)
)): Verfasser sagen, daß diese Gefahren allmählich erkannt
worden seien. Es wäre aber schwer gewesen,
den Grundsatz zu erschüttern, daß man das Wohnungwesen
lediglich der privaten Wirtschaft überlassen müsse.
Seit dem letztem Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts seien
Bestrebungen zu einer Reform der Wohnungverhältnisse
zu bemerken, an denen die zahlreich entstandenen Baugenossenschaften,
verbesserte Bebauungpläne und Bauordnungen,
eine Reihe von Arbeitgebern, die Träger der
Sozialversicherung, und die Bodenreformer unter Führung
von Adolf Damaschke teilgenommen haben. Von
den Landesversicherunganstalten seien bis zum Kriege
600 Millionen Mark an Hypotheken für Kleinwohnunghäuser
hergeliehen und dabei auf eine vernünftige Bau-399