Gesichtspunkte für die Wahl des Themas ;
sicht nehmen. Es ist die alte Mahnung der Parabel
vom Turmbauen und Kriegführen (Lk 14,28—39).
a) Das Thema soll daher zunächst den eigenen
Kräften und Fähigkeiten entsprechen. Es wäre ein
gewagtes Unternehmen, sich ohne weiteres an jedem Thema
zu versuchen. Jeder, der an eine wissenschaftliche Arbeit
herantritt, sollte es soweit in der richtigen Selbstein-
schätzung gebracht haben, daß er ungefähr weiß, wie viel
die Kräfte zu tragen vermögen. Freilich werden die
Schwierigkeiten sich oft erst während der Arbeit zeigen,
und anderseits pflegt auch die Kraft mit der Arbeit selbst
zu wachsen. Aber eine ruhige Selbstprüfung und Über-
legung vor der Wahl ist doch stets von großem Nutzen.
b) Auch auf die eigenen Neigungen darf man
bei dieser Wahl in geordneter Weise Rücksicht nehmen.
Sie sollen zwar nicht an erster Stelle und nicht . haupt-
sächlich den Ausschlag‘ geben. Aber wo sonstige Gründe
nicht eine andere Entscheidung ratsam erscheinen lassen,
darf man hoffen, bei der Wahl eines solchen Gegenstandes
mehr zu erreichen, der mit den eigenen Neigungen und
Wünschen übereinstimmt. Wo neben und mit den höhe-
ren Motiven auch die natürliche Freude an der Sache uns
treibt, da arbeitet man in der Regel mit mehr Hingabe und
Ausdauer und Erfolg.
c) Ernstlicher aber sollen ferner die eigenen Kennt-
nisse uud Vorstudien in Betracht gezogen werden.
Zwar läßt sich mit gutem Willen und ausdauerndem Fleiße
ein gutes Stück der nötigen Vorkenntnisse auch beim Be-
ginn einer wissenschaftlichen Arbeit noch nachträglich er-
werben. Aber ein gewisses Maß von Kenntnissen muß
Hänschen sich schon angeeignet haben, wenn Hans auf
diesem oder jenem Gebiet mehr als Mittelmäßiges leisten
soll. Ohne eine gründliche humanistische Vorbildung sich
ein philologisches, historisches oder archäologisches Thema
aus dem griechischen oder römischen Altertum wählen, ist
in der Regel ein ebenso gewagtes und aussichtsloses Be-
ginnen wie die Behandlung einer Frage aus dem Gebiet
Fonck, Wisseuschaft iches Arbeiten. 8. Aufl,
115
ww