fullscreen: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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stieg im 18. Jahrhundert hier die Produktion von Zucker, insbe- 
sondere seitdem zwischen der an Stelle der alten, 1674 aufgehobenen, 
1675 errichteten neuen Westindischen Kompanie?), der 1682 für diese 
Kolonie ein Oktroi verliehen wurde, und den Surinam-Interessenten 
die Sklavenzufuhr organisiert worden war. Curacao wurde der 
Mittelpunkt des Negersklavenhandels?). Trotz der häu- 
figen Negeraufstände entwickelte sich Surinam günstig. Die West- 
indische Kompanie konnte sich allerdings nicht lange im Vollbesitz 
ihres Oktrois behaupten; sie verkaufte zwei Drittel ihrer Anteile; 
den einen kaufte die Stadt Amsterdam, den anderen Aerssens 
van Sommelsdijk; das Ganze nannte man nun „Geoc- 
troyeerde Societeit van Suriname“3). Auch der 
Kaffee begann eine wichtige Rolle im Plantagenbau zu spielen. 
Um 1769 blühte die Kolonie zweifellos, so daß im folgenden Jahre 
die Stadt Amsterdam der Familie Sommelsdijk für 700 000 fl. 
ihren Anteil abkaufte*), Allerdings fehlte es auch hier nicht an einem 
künstlichen Element, dessen Einflüsse sich später als verhängnis- 
voll erweisen sollten. Die großen Kredite, die aus dem Mutterlande 
den Pflanzern zuflossen, wirkten durch ihre Masse schädlich und 
führten in Verbindung mit ernstlichen Mißbräuchen und absichtlich 
falschen Taxierungen zu einer Spekulation in Plantagenländereien, 
die einer ordnungsmäßigen Kultur schadeten. Das Verhalten der 
holländischen Geldgeber war um so verwerflicher, wenn man be- 
dachte, daß diese als Direktoren der Anleihen auf ihre Provision 
rechnen konnten, daß sie aber ihr Risiko auf die Schultern des geld- 
gebenden Publikums abgewälzt hatten. Die Kolonie hätte aller- 
1) Über die alte Westind. Kompanie, die mit einer Schuldenlast von 6 Mill, ft. 
belastet war und deshalb 1674 aufgehoben wurde, vgl. Luzac, II, 131 ff. Über 
die Zuckerproduktion Reesse, 207ff. Über den Plan einer finanziellen Er- 
neuerung der alten Westindischen Kompanie um 1670, der aber mißlang, vgl. van 
Brakel, Eene memorie. Über den Plan einer deutschen Kolonie in Guayana 
(1669), an dem Amsterdamer Kaufleute beteiligt waren, vgl. Jaeger, S.78{ff., 121ff. 
?) Ende des 17. Jahrhunderts versorgte u. a. das Amsterdamer Haus John 
coymans & C o. die holländisch-westindischen Besitzungen mit Sklaven; dieses 
Haus stand in enger Beziehung zu einem Hause Balthasar & Co. in Cadiz. 
In Spanien beschuldigte man die Holländer, daß sie diese Negerfahrten vielfach 
mit Schmuggel verbänden (J. A. Wright, S. 23 ff.). 
3 Koenen, Joden in Nederland, S. 289 ff. 
‘) Brugmans, Handel en nijverheid, S. 150; van der Meulen, 
S. 506 f.
	        
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