. Das Verständnis der Quellen
modum et rationem aliquid alteri persuadendi et causis
fidem faciendi, cognoscas“!).
Die französische Bearbeitung (p. 106 f) erinnert noch an die
treffenden Worte von Louis Thomassin, Ancienne et nouvelle discipline
de l’Eglise touchant les benefices et les beneficiers (Paris 1678), Preface
p. XXIV: „C'est 1a la source feconde d’une infinit& de fausses pre-
ventions et de mauvais raisonnemenis quand on n’a la tete remplie
que des usages, des opinions et des maximes des derniers si@cles et
que sur ces principes on veut raisonner de la discipline des siecles
passes. Il faut se depayser entierement et oublier en quelgue maniere
le vieux monde quand on passe dans un nouveau moOnde qui est a la
verite beaucoup semblable & l’ancien, mais qui est aussi beaucoup
different“,
c) Man muß daher zuvörderst die Zeit und den Ort der
Entstehung einer Schrift und ihren ersten Leserkreis mög-
lichst genau zu bestimmen suchen; denn von der Beant-
wortung dieser Fragen hängt die ganze weitere Unter-
suchung ab. Man wird sich dann eingehend zu beschäf-
tigen haben mit dem Lande, seiner Geschichte und seiner
natürlichen und politischen Geographie, mit den Leuten
und ihrem privaten und öffentlichen, politischen und
religiösen Leben, mit ihren kulturellen Zuständen und
Einrichtungen, ihren gewerblichen, künstlerischen, wissen-
schaftlichen, religiösen Bestrebungen, kurz mit allem, was
sie uns in ihrem äußeren und inneren Leben näher
bringen kann.
d) Eine sorgfältige Prüfung des Textes muß dann
weiter zeigen, wo die Untersuchung von einzelnen Punkten
aus der sozialen, politischen oder religiösen Geschichte
oder von besonderen Zuständen und Einrichtungen auch
außerhalb jener Grenzen notwendig ist, die durch Ort und
Zeit der Entstehung und durch den ersten Leserkreis ge-
geben sind.
So fordert das volle Verständnis eines Textes aller-
dings große und gründliche Arbeit. Es ist aber eine Arbeit,
die jeder mit gutem Willen, Fleiß und Beharrlichkeit leisten
') J. J. Wetstein, De interpretatione N. T., im Anhang zu seinem
Novum Testamentum graece 2 (Amstelaedami 1752) 878.
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