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Bei der Wirbeltuberkulose erkrankt fast stets der Wirbelkörper.
Es bildet sich hier ein Knochenherd, der allmählich wächst und den
Virbelkörper zerstört, bis er unter der Last des Körpers zusammen-
bricht. Die Folge dieses ganz allmählich stattfindenden Zusammen-
bruchs ist die Buckelbildung. Zuerst tritt der Dornfortssatz eines Wir-
belkörpers stärker hervor und ist auf Druck und Beklopfen schmerzhaft;
allmählich wird der Buckel immer größer, bis er schließlich spitzwinllig
werden kann. Fängt ein bis dahin gesundes Kind plötzlich an, sich
schlecht zu fühlen, den Appetit zu verlieren und über Magenschmerzen
ju klagen, so muß man stets an beginnende Wirbeltuberkulose denken.
Das erste klinische Symptom ist die sogenannte „muskuläre Fixation“
der Wirbelsäule, d. h. das Kind fixiert durch Muskelspannung die
Virbelsäule, um dem durch die Bewegungen verursachten Schmerz
quszuweichen. Man kann sich dies am besten dadurch vor Augen
führen, daß man den Patient einen Gegenstand vom Boden aufheben
läßt. Er geht dann mit ssteifgehaltener Wirbelsäule in die Kniebeuge
und richtet sich wieder auf, indem er die Hände auf die Vorderseite
der Oberschenkel stützt. Besteht dies Symptom, so ist auch beim Fehlen
ines Gibbus (Buckels) die Diagnose fast stets gesichert.
Eine Sonderstellung nimmt die tuberkulose Erkrankung der bei-
den obersten Halswirbel ein. Da hier ein Wirbelkörper fehlt, spielt
sich der Prozeß in den Wirbelgelenken ab, und es kommt zu einer
Schiefstellung des Kopfes, wie beim angeborenen Schiefhals.
.. Fast stets kommt es im Verlauf der Wirbeltuberkulose zu Eiter-
bildung. Dieser sammelt sich an der Vorderfläche der Wirbelkörper
der im Wirbelkanal und bildet die sogen. Senkung s a bsz esse.
Sie schreiten stets nach der Richtung des geringsten Widerstandes vor
und können so sehr große Strecken zurücklegen. Sie kommen meist an
der Beckenschaufel oder am Oberschenkel und Gesäß zum Vorschein.
Hauptaufgabe der Behandlung ist es, sie geschl oss en zu erhalten,
um die sonst unvermeidliche Mischinfektion mit ihren verhängnisvollen
Folgen zu verhüten. Abgesehen von wenigen, genau indizierten Aus-
nahmen ist ein Aufschneiden dieser „kalten“ Abszesse als ein Kunst-
[ehler anzusehen. Man entleert den Eiter durch Punktion mit einer
Öprite. Bei schwerem Verlauf der Wirbeltuberkulose, besonders bei
ruck durch Eiterbildung auf das Rückenmark treten dann Lähmun-
gen auf, je nach dem Sitz der Erkrankung. So können auch Blase und
Mastdarm gelähmt werden.
„ Die Behandlung der Knochentuberkulose ist heute, wenigstens
n den ersten beiden Jahrzehnten eine ausschließlich konservative. Es
ttt sich gezeigt, daß bei Ruhigstellung und Entlastung der erkrankten
Helene und bei Unterstützung der natürlichen Abwehrmaßnahmen
!§s Körpers die Tuberkulose in der Regel allmählich zur Heilung
ommt. Die einfachste Methode der Ruhigstellung besteht im Anlegen