Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels, 87
Zeiten finden. Markttechnisch kommt das dadurch zum Ausdruck, daß
durch die Nachfrage des Handeltreibenden am Kaufplatze bzw.
während der Zeit des Aufkaufes der Preis erhöht wird, während
sein Angebot am Verkaufsplatze bzw. z. Zt. des Verkaufes die
Preiseerniedrigt. Auf diese Weise schöpfen aus der ursprüng-
lichen Wertdifferenz nicht nur der Verkäufer, sondern auch der
Käufer Gewinn. Die vorstehende Überlegung zeigt, daß die
Preisregulierung auch zu den wichtigsten Aufgaben bzw.
Folgeerscheinungen des Handels gehört. Der Handel entfaltet daher
in engerem Sinne nicht nur eine volkswirtschaftlich
fruchtbare Tätigkeit, Werte schaffend und Güter verteilend;
er entwickelt auch, trotzdem seine Handlungsweise aus egoistischen
oder „kapitalistischen“ Motiven hervorzugehen pflegt, eine Tätig-
keitim Dienste des Gemeinwohls,
Der selbständige Handel hat sich unter Ausbildung der Arbeits-
teilung entwickelt und gewinnt um so größere Bedeutung, je mannig-
faltiger und komplizierter sich einerseits der Bedarf, andererseits die
Produktion gestaltet. Zu den Aufgaben des Handels gehört
es, zwischen Produzenten und Konsumenten, in des Wortes weiterer
Bedeutung, Warezuvermitteln, Vorratund Bedarf nach
Art und Zeit auszugleichen und Angebot und Nachfrage in ein
richtiges Verhältnis zu bringen. Der Handel ermöglicht es, Produktion
und Konsum durch Verteilung der Güter unabhängig von den Orten
der Herstellung und des Verbrauches zu machen, Er kann dabei beim
Großbezug die verschiedenartige Wert- und Preisbildung an den ver-
schiedenen Orten der Einkaufsmöglichkeiten im In- und Auslande zu-
gunsten der Orte des Verkaufes ausnutzen, Er schafft die einzelnen
Waren von den Produktionsorten, an denen die Produktion günstig
und daher im Verhältnis zum Bedarf groß und der Warenpreis billig
ist, dorthin, wo die Produktionsmöglichkeiten nicht vorhanden oder
ungünstig sind, so daß Güter herbeigeschafft werden müssen, um den
Bedarf zu decken. Der Großhandelbewirktalsomit Hilfe
der neuzeitlichen Verkehrsmittel die notwen-
dige Ausgleichung der Güter und Warenvorräte und
damit zugleich einen Ausgleich der Preise, Ohne seine Ver-
mittlung würden wir Verhältnisse wie in den verkehrsarmen Teilen
Rußlands haben, wo stets in einigen Gegenden Überfluß an Waren
(z. B. Getreide, Futtermittel) herrscht und deshalb die Produktion un-
rentabel ist, während zugleich in anderen Gegenden ein derartiger
Mangel an gleichen Gütern vorhanden ist, daß die schwierigsten wirt-
schaftlichen Verhältnisse (bei dem Beispiel Getreide: Hungersnot und
Teuerung) eintreten,