92 Otto Keinath:
Ware in der Stadt zum Verkauf ausgestellt wird (z. B. Stapelhaus
in Köln),
Die Aufrechterhaltung des Straßenrechtes und des Stapelrechtes
gab im Mittelalter Anlaß zu zahlreichen Streitigkeiten und Kämpfen
zwischen den konkurrierenden Städten; besonders Italien, die klassische
Stätte frühen und blühenden Handelsverkehrs, bietet hierfür ein an-
schauliches Bild. Da sich bald zeigte, daß bei zunehmendem
Verkehr die Beibehaltung von Stapelrechten und Privi-
legiennicht mehr aufrecht zu erhalten war, sahen sich
die Städte veranlaßt, durch besondere Vorteile, die sie fremden Händlern
boten, ihrem Platz gesteigerten Handelsverkehr zuzuführen, Diese
Vorteile bestanden in Gewährung gleicher Handelsfreiheit
an fremde Händler, in der Einräumung einer besonderen Lager-
stätte, in der die Durchgangsgüter nicht dem Ein- und Ausfuhrzoll
unterlagen (der Vorstufe unserer Freihafengebiete) usw. Durch solche
Vorteile angespornt, zogen sich die Händler in solche Städte, die ihnen
die meisten Vorteile sicherten. Die zunehmenden Handelsverbindungen,
die von dieser Stadt ausgingen, verschafften dieser einen Vorsprung vor
anderen Plätzen, Der Austausch mit einheimischen und fremden
Waren sowie das Geld, welches diesem Handelsplatz durch den Transit-
handel seiner Kaufleute zufloß, brachte der Stadt reichen Gewinn und
vermehrte den Wohlstand des Handels, Immer wichtiger wird die
Kapitalkraft eines alten Handelsplatzes. Das Monopol
und die besondere Stellung der Hansastädte beruht jedoch nicht allein
in der Anhäufung von Kapital und Reichtum eines Handels,
welcher mit Hilfe der Kapitalkraft immer größere Unternehmungen,
auch im Auslande errichten konnte und immer mehr Kauffahrteischiffe
erwerben konnte, mit deren Hilfe er den Handel der Welt an sich zog.
Von den Hansastädten bzw. von den Handelsplätzen mit starkem
Handels- und Schiffahrtsverkehr geht auch die Eroberung frem-
der Weltteile durch Gründung von Plantagen und durch
Erwerb von Kolonialbesitz aus. Man braucht nur an die Gründung
der holländischen Kolonien auf Java und Sumatra sowie an Nieder-
ländisch-Indien und schließlich an die Besitzergreifung Britisch-Indiens
durch Großbritannien zu denken, um sich dessen bewußt zu werden,
daß der Handel die treibende KraftderBesitzergreifung
der Kolonien war, daß der Handel der Pionier in der Erschlie-
Bungfremder Länder, im Erwerb von Plantagenbesitz,
und im Anschluß daran der Begründer des weiten Welthandels wurde,
dem zahlreiche Länder ihren Reichtum und ihren Aufstieg verdanken,
Wir erkennen schon aus der vorstehenden Skizze der Entwicklung
des Handels im Mittelalter, daß offenbar der erste Hauptimpuls